WIEBOLDTV AKTUELL
PKW UNTER LKW
MESSERSTICHE
BUS KRACHT IN HAUS
ZURÜCKLIEGENDES !!!
WER KENNT DIE TÄTER
AKTUELL VERMISST
GALERIE D O R O
LESERFOTOS
LESERS MEINUNG
SCHOCKVIDEO  I
SCHOCKVIDEO II
SCHOCKVIDEO III
VERKEHRSIRRSINN
HUNDE VERMISST
LESERS ÄRGER
HILFE FÜR HAITI
MARLER KINDERHILFE
BERGBAUGESCHICHTE
HILFE FÜR JOEL
 IdFw e.V.
FW VERANSTALTUNGEN
WOHIN IM REVIER
KRANK OHNE RENTE
Forum
Gästebuch
LINKS
ALLES NICHT WAHR
NUR MAL SO AM RANDE
DENKEN VOR PLAPPERN
ERLEBTES REPORTERLEB
POLIZIST IN RAGE
DIES UND DAS
SONSTIGES
IMPRESSUM/KONTAKT

Wiebolds unmassgebliches, persönliches Empfinden

10-10-2009 12 Uhr

40 Jahre sah ich das Leid, dass den Menschen durch Unfälle, Brandkatastrophen widerfahren ist, und es kann mir keiner Unterstellen, dass mich so etwas kalt gelassen hat. Auch ich habe Gefühle und verarbeite diese auf meine Art. Ich habe es verstanden berufliches und Privates auseinander zuhalten. Jedes einzelne Opfer, dass ich jemals gefilmt habe, ist heute und bleibt auch in der Zukunft in meinen Gedanken. Die Bilder laufen jeden Tag vor mir ab, wenn ich an den Stellen vorbeifahre, an denen die Ereignisse stattfanden. Man kann sich vorstellen, dass das nach vierzig Jahren nicht wenige Stellen sind, auf begrenztem Raum. Die Gedanken kommen sofort und auch nur für wenige Sekunden, ohne dass ich es will. Aber diese wenigen Sekunden, erinnern mich an die Ereignisse, die ich hautnah erlebt habe. Das sind die Gedanken, die mich dazu bringen über die Risiken und die Gefahren, nachzudenken, die überall lauern und jederzeit auch mich erwischen können. Das heisst nicht, das ich den Spass am Leben verloren habe, nein, ich lerne und habe jede Tag gelernt über die Ursachen nachzudenken. Das schützt mich zwar nicht zu 100 % vor einem unvorhergesehenen Ereignis, aber das bringt mich dazu vorsichtiger zu sein oder genauer hinzusehen.


Die Presse hat sich auferlegt nicht über Selbstmörder zu berichten. Das ist zum Beispiel ein Tabuthema. Daran halten auch wir uns. In der Regel wird über solche Ereignisse nur dann berichtet, wenn unschuldige Dritte involviert wurden. Gerade Selbstmörder wollen ein Zeichen setzen, sie sind verzweifelt, aus welchen Gründen auch immer. Aber sie zeigen, dass in diesem Land das Zuhören und das menschliche Hinschauen nicht gegeben ist. Natürlich wird man nie alle Selbstmorde verhindern können. Natürlich gibt es Ansprechpartner und Institutionen, die in diesen Bereichen helfen, aber die Selbstmorde gibt es immer wieder. Das heisst diese Menschen hatten etwas empfunden, wollten es verarbeiten und sind dabei alleine gelassen worden. Dort fängt das Hinhören und Hinschauen an, sich die Probleme seines Mitmenschen anzuhören und ernst zu nehmen.

Würde man die Probleme der Selbstmörder mal zusammenfassen, würde man erkennen, woran es gescheitert ist. Es sind Informationen, die in der Zusammenfassung der Ursachen eine wichtige Rolle spielen, aber bei jedem einzelnen, wegen eines Tabus, nicht berichtet wird. Diese Probleme einer Minderheit und der zukünftigen Minderheit werden nicht oder kaum beleuchtet.

Und das ist auch das Problem in Deutschland, die Minderheiten haben kaum die Möglichkeit sich bei der Presse Gehör zu verschaffen. Wie lange hat es gedauert , bis ein Stalkinggesetz verabschiedet wurde. Da sind Jahre vergangen. Und so wird es auch leider in der Zukunft sein. Die hautnahen Probleme werden durch gewählte "Mittelsmänner" der Bevölkerung ins Parlament gebracht. Dort "oben", wird über Jahre hinweg diskutiert, ohne dass sich diese Damen und Herren überhaupt in die Situation eines Stalkingopfers hineinversetzen konnten. Dort werden Gesetze aus parteitaktischen Gründen verzögert.


Ein immer wieder gerne gesehenes Thema, ist das der " Gaffer " am Unfall- oder Katastrophenort.


Nicht, dass ich es begrüsse, dass diese Menschen unter Umständen durch den Unfallort oder durch die Helfer laufen, nein ich rede von den " Gaffern " hinter der Absperrung. Das sind Menschen, die ihrem naturgegebenen Trieb folgen. Man kann diesen Menschen doch keinen Vorwurf machen, sich das Ereignis hautnah, mit allen dazugehörigen, direkten Empfindungen anzuschauen. Wenn ich durch die Schaulustigen Reihen gegangen bin, habe ich die Menschen erlebt und mitbekommen, wie sie das Ereignis direkt am Unfallort verarbeiten und diskutieren. Sie befassen sich gefühlsnah. Ich habe keinen in meinen vierzig Berufsjahren erlebt, der sich über ein Opfer lustig oder abfallend geäussert hat. Gerne gezeigt werden " Gaffer " mit einem Eis in der Hand. Manoman, wie schlimm, dass jemand sein Eis nicht weggeworfen hat, als ihn das Ereignis überraschte. Ist dieser Mensch gefühlslos?


Interessant sind auch die Kommentare, von Anwohnern nach einem schrecklichen Ereignis. Ich weiss nicht, wie oft ich den Satz schon gehört habe, " Sowas kenne ich nur aus dem Fernsehen, dass das hier bei uns passiert, erschreckt mich ". Genau diese Aussagen zeigen, wie wenig sich die Menschen um ihr näheres Umfeld kümmern. Sie sehen mittlerweile alles im Fernsehen. Und dort ist es ja weit weg. Es wird gesehen und kaum verarbeitet. Es zieht schon lange eine gewisse Kälte durch die Bevölkerung. Und diese Kälte zieht Gewaltbereitschaft an. Wenn einem Menschen vorgeworfen wird, dass er hinsieht, so nimmt man ihm seine Gefühle. Bilder, die über Ereignisse über das Fernsehen ausgestrahlt werden, werden kaum noch mit der Realität in Betracht gezogen. Die Ereignisse sind ja weit weg. Es wird registriert aber nur bedingt verarbeitet. Aber immerhin.

Es ist schon ein Unterschied, etwas leibhaftig mitzuerleben, oder beim Abendbrot im Fernseher zu sehen.

Jedes Unglück hat seine Ursache, auch wenn es heisst, es war ein technischer Defekt. Technik entsteht und entstand immer schon durch menschliche Hand.Um so wichtiger ist es darüber zu berichten und Aufmerksamkeit auf die Gefahren zu richten.

Der Staat kann nicht verlangen, dass Menschen bei Straftaten hinsehen und Courage zeigen und gleichzeitig dem Menschen seinen Naturtrieb der Erfahrungsammlung verbieten und verlangen, dass diesen das Geschehene EISKALT lassen soll, in dem er ohne hinzusehen vorbeigeht und ja nicht naturbedingt hinguckt ohne sich schuldig zu fühlen.  

Wir erleben zur Zeit den Durchmarsch zur Verrohung. Es fängt bei vielen Jugendlichen an, die gewalttätig werden, die absolut kein Rechtsempfinden mehr haben. Bleibt doch die Frage, wo haben diese Jugendlichen ihre Gefühle verloren? Und da bin ich wieder ganz unten, tief in der Bevölkerungsschicht. Dort liegt die Wurzel. Und dort schaut die Politik weg. Solange ich denken kann. Gerade die kleinste Bevölkeungsschicht mit den grössten Problemen, der wird kein Gehör verschafft. Für diese Menschen gibt es keine Öffentlichkeit. Und genau in dieser Bevölkerungsschicht liegt die Wurzel, der immer weiterschreitenden Gefühlsverrohung und Ausbreitung der Kriminalität. Diese Menschen werden regelrecht gezwungen sich ihr eigenes Recht zusammenzuzimmern. Und es werden immer mehr. Aber die da " oben ", sind garnicht mehr in der Lage sich in die Gefühlswelt gewisser Bevölkerungsschichten hineinzuversetzen, denn ihnen fehlt bereits komplett der reale Bezug. Wer nie gehungert hat, weiss auch nicht was das bedeutet.

REAKTION

Sehr geehrter Herr Wiebold!
Mit sehr großem Interesse habe ich Ihr, wie Sie selbst schreiben, unmaßgebliches und persönliches Empfinden gelesen. Ich bin der festen Überzeugung dass Sie, genauso wenig wie ich als Rettungsassistent, die Bilder der Einsätze die Sie dokumentiert und ich bearbeitet habe, jemals vergessen werden. Ich finde es wichtig, dass über Einsätze und besondere Ereignisse auch in den Medien ausführlich berichtet wird. Doch darf diese Berichterstattung meiner Meinung nach nicht in einen
Wettstreit der blutigsten Bilder ausufern. Denn – und das ist nun meine unmaßgebliche und persönliche Meinung – auch diese von Blut triefenden Bilder und die Bilder zerstörter Fahrzeuge und auch Leichen führen meiner Meinung nach auch zu einer Verrohung der Gesellschaft. Gerade Jugendliche, die ja dank des Internets einen nahezu grenzenlosen Zugang zu solchen Bildern haben, konsumieren solche Ereignisse oftmals unter der Rubrik: „Cool!“ Das dabei Menschen zu Schaden, teilweise sogar zu Tode, gekommen sind, blenden sie dabei vollkommen aus. Und genau hier ist meiner Meinung nach unsere politische Führung gefordert. Denn nur mit einem gezielten und professionellen Bildungssystem, in dem nicht nur eine „Pisa-Studie“, sondern der Zustand der Gesellschaft, als Maß genommen wird, kann eine weitere Verrohung meiner Ansicht nach verhindert oder zumindest eingedämmt werden.
Immer wieder lese ich, gerade in den Zeiten des sog. „Wahlkampfes“ Parolen wie: „Arbeit muss sich wieder lohnen!“, „Bildung darf kein Luxus sein!“. Ich stimme diesen Slogans uneingeschränkt zu. Nur ist es mehr als bezeichnend für unsere sog. Politiker, das z.B. ein FDP-Vorsitzender noch in der „Elefantenrunde der ARD und des ZDF“  am Wahlabend umkippt und plötzlich seine im Wahlkampf nicht anzugreifenden Standpunkte selbst in Frage stellt.
Ein US-Amerikanischer Abgeordneter hat einmal gesagt: „Jedes Land bekommt die Regierung, die es verdient!“ Da muss unsere Bundesrepublik Deutschland ja ein ziemlich übles Land sein, bei der Regierung, oder?
Um noch mal auf die „Gaffer am Unglücksort“ zurück zu kommen. Meine Erfahrungen als Einsatzkraft mit eben einem Teil dieser Menschen sind nicht ganz so positiv, wie die Ihre. Ich habe oft genug mitbekommen, wie gerade auch wieder Jugendliche, sich durchaus über Unfallopfer oder Menschen in Not lustig gemacht haben. Und auch von dem „gehobenen Teil“ der Gesellschaft bin ich während meiner Einsätze des Öfteren angefeindet worden. Sehr präsent ist mir ein Vorfall im Düsseldorfer Hauptbahnhof. Wir waren zu einem internistischen Notfall gerufen worden, der sich schlussendlich als Reanimation eines offensichtlich wohnungslosen Mannes heraus stellte. Die Kolleginnen und Kollegen der Bundespolizei sperrten uns den Teil des Bahnsteiges ab, auf dem wir nun unsere Arbeit machen konnten. Dadurch war ein gut gekleideter Herr mit Aktenkoffer nun gezwungen, einen kleinen Umweg zu laufen. Der wortwörtliche Kommentar ist mir noch heute in den Ohren: „Wegen diesem dreckigen Pennerschwein muss ich nun da hinten rumlaufen. Die sollten den direkt in die Mülltonne stecken, wo er auch hin gehört!“ Wie Sie an diesem Beispiel sehen, nicht nur die „untere Schicht“ verroht Zusehens.
Ich stimme mit Ihnen vollkommen überein, dass etwas in diesem Land geschehen muss. Aber was und wo setzen wir an? Schicken wir den Manager zu einem „Benimm-Kurs“, damit er bei der nächsten Reanimation eines sozial schlechter gestellten Menschen den Mund hält? Oder schicken wir die „asozialen Jugendlichen“ in Boot-Camps um ihren Willen zu brechen, wie es in Amerika ja schon fast gute Sitte ist? Wissen Sie eine Lösung dieses Problems?
Mit freundlichen Grüßen aus Duisburg ( Name der Redaktion bekannt )

0172 / 2102555 , 0170 / 2752338  |
wieboldtvnews@t-online.de / wieboldtv@t-online.de