Sekundenheld
Ein kleiner Einblick in meine Arbeit.
Verfasst 1996
Vorwort
Spott, Ironie und Hohn blasen dir eiskalt ins Gesicht. Da stehst Du nun vor den Kollegen. War es das Wert? Fast drei Jahrzehnte war die Autobahn, der Asphalt, Dein zu Hause. Du konntest gar nicht mehr anders. Das Fieber der Aktualität hatte Dich gepackt. Die Jagd nach den Geschichten, die der Zuschauer allabendlich gemütlich im Fernsehsessel sehen will hast Du geliefert. Sekunden des Schreckens, Sekunden des Grauens aber auch Bilder nur zum Betrachten. Nun ist es passiert. Die Fleppe, der Führerschein ist weg. Man hat ihn Dir genommen. Zwar nur für kurze Zeit, aber das genügt. Alkohol war es nicht. Die Punkte hatten sich gehäuft und dann passierte es halt. Eigentlich ein natürlicher Vorgang und auch zu Recht. Keine Extrawurst für Aktualität. Aber wo sind die Freunde, die Kollegen, die das Verstehen. Auf einmal bist Du eine Null, Du bist out. Du fällst in ein Tal der Leere. Wie Löwen fallen sie über Dich her. Der Kampf um den Platz, den Du eingenommen hattest versuchen Sie mit aller Macht einzunehmen. Das was sich schon immer andeutete wird Wahr. Die Chance Dich zu ,,Töten" war nie größer.
Wie es begann
Fernsehen, das sind bewegte Bilder. Ein Satz der mir noch heute in den Ohren liegt. Jahrelang hafte ich als Pressefotograf meine Brötchen bei einem Zeitungsverlag im Ruhrgebiet verdient. Die Leser der Zeitung mit aktuellen Fotos des Vortages beglückt. Querbeet durch das Stadtgeschehen. Vom Kaninchenzuchtverein von der Karnevalssitzung, von den politischen Ereignissen und den Katastrophen den Sportereignissen einer Region hatte ich berichtet.
Und dann war da noch das Fernsehen. Ein Medium ‚das immer mehr in den Mittelpunkt rückte. Das den unaufhaltsamen Weg in die Wohnstuben nahm. Den Bürger direkt erreichte und gerade im Begriff war in der Berichterstattung an Schnelligkeit zu gewinnen . Der Einzug der elektronischen Bilder hatte begonnen. Der Reiz dort mitzumischen war faszinierend. Und dann der Satz, der alles entscheidende Satz „ Fernsehen, das sind bewegte Bilder". Gesprochen von einem Mann, den ich aus der „Röhre" kannte, Manfred Kemper. Ein alter Hase der meine Bilder für die aktuellen Nachrichten kaufte und sendete. Eine Begegnung auf einem langen Flur in der fünften Etage des WDR in Köln. Eine Begegnung, ein Satz, der meine Zukunft prägte.
Meine Ehe war zerbrochen, die Frau von heute auf morgen ausgezogen. Zehn Jahre war ich mit ihr zusammen. Der Stress, mein Job war der Anlass. Sie zog einen Beamten vor. Ihr Recht. Die unregelmäßigen Arbeitszeiten waren Gift. Gift für eine harmonische Beziehung auf lange Zeit. Von heute auf morgen hatte sie mich verlassen, völlig unvorbereitet und überraschend. Genau wie in meinem Job. Von einer Sekunde zur anderen nicht zu wissen was passiert. Immer ins kalte Wasser springen und dann blitzschnell reagieren. Ich hatte sie geliebt und mir ein Kind gewünscht. Doch das Schicksal meinte es einige Jahre vorher anders.
Zwei Tage dauerte meine Entscheidung. Das Medium Fernsehen hatte mich gefangen. Mit einer elektronischen Kamera im Auto steuerte ich durch das Revier. Und dann die erste Information. Die „ Fledermaus" brennt. Eine Diskothek zwischen Gelsenkirchen und Herten.
Der erste Film
Es war eine kalte nasse Januarnacht. Der Regen prasselte auf die Windschutzscheibe als ich den Brandherd erreichte. Mein Herz schlug im Dreivierteltakt. Das Ereignis war mir Vertraut, doch war es die neue Arbeitsweise die mich erregte. Die riesigen Flammen, das große Feuer, der schwarze Qualm. Das alles in Farbe und in bewegten Bildern. Abrufbereit und sofort auf einem kleinen Monitor rückholbar. Unvorstellbar, faszinierend und vor allem aktuell. War es vorher der Fotoapparat der den Augenblick in schwarz - weiß erfasste ‚ konnte ich nun das Geschehen ausführlich und hautnah nachvollziehen. Ein Schwenk von links, einer von rechts, ein Zoom auf die Flammen, nichts entging meinem Objektiv.
Aufgeregt steuerte ich am nächsten Morgen das Landesstudio des Westdeutschen Rundfunks in Dortmund an. Mit einem Anruf hatte ich mich bereits in der Redaktion angekündigt ‚den Film für die Nachrichten angeboten. Nervös übergab ich das gedrehte Material dem Redakteur. Auf einem Monitor sahen wir uns das Rohmaterial an. Gespannt wartete ich auf die Reaktion über mein erstgedrehtes Material. 30 Sekunden für „Hier und Heute", 30 Sekunden für den Regional Report im Dritten. hallte es durch den Raum. Über Telefon wurden die Filme in Köln angekündigt und fest in die Sendung eingeplant. Stolz und überglücklich war ich, als ich eine Cutterin zugewiesen bekam, die aus dem gedrehten Material die Filme auf dreißig Sekunden Zusammenschneiden sollte. Doch dann die Ernüchterung am Schnittplatz. Es hagelte Kritik. Der Stand ist zu kurz, der Schwenk zu lang, der Zoom zu verwackelt. Da hatte ich über 20 Minuten Material von einem Feuer, und dann die Ernüchterung. Eine Welt brach in mir zusammen. Mein erster Film, ein Flop?" Na ja", hörte die Cutterin sagen, „leicht wird‘ s nicht, aber irgendwie bekomme ich die dreißig Sekunden schon zusammen. „Lass das Material mal hier". Für mich war das alles überhaupt nicht verständlich, ich hatte die Flammen, den Qualm, löschende Feuerwehrmänner und dennoch soll es schwierig sein daraus 30 Sekunden zu schneiden. Enttäuscht und traurig verließ ich das Funkhaus. Die Gedanken drehten sich im Kreis, war meine Investition umsonst, habe ich mich überschätzt. Ziellos fuhr ich durch das Ruhrgebiet, die Kamera im Kofferraum und eine gehörige Portion Wut im Bauch. Ich konnte die Kritik nicht verstehen. Ich hatte doch alles. Unendlich schien die Zeit bis zur 18 Uhr Sendung. Mit zitternden Händen schaltete ich die Glotze schon eine halbe Stunde früher ein Die Zeit schien stehen zu bleiben. Dann war es soweit. Die Sendung begann. Nervös zog ich an der Zigarette. Die Augen klebten auf dem Bildschirm. Die Spannung war unerträglich. Und nun die Nachrichten aus Nordrhein Westfalen hörte ich den Moderator sagen. Über alles Mögliche wurde berichtet, aber wo blieb mein Film? Die Zeit verging, nun viel zu schnell, die Zeit des Nachrichtenblocks verrann. Doch dann. In der vergangenen Nacht brannte in Gelsenkirchen eine Diskothek vollkommen aus. Plötzlich sah ich die Bilder aus der Nacht über den Bildschirm flimmern. Ich konnte es gar nicht fassen. Noch bevor ich alles begriff, waren die Nachrichten schon beendet. Erleichtert sprang ich hoch, ich hatte die Welt umarmen können. Ein unbeschreibliches Gefühl durchzog meinen Körper. Aber warum die Kritik, warum war es angeblich so schwierig dreißig Sekunden aus 20 Minuten Rohmaterial zu schneiden. Ich wollte es nicht verstehen.Es dauerte nicht lange, da war ich wieder auf der Pirsch. Ein umgestürzter Lastwagen blockierte die Autobahn. Die Kamera im Anschlag, war ich zur Stelle. Ich drehte ausführlich und fuhr erneut zum Sender. Wieder hagelte es Kritik. Doch der Film lief. 3o Sekunden für die Nachrichten. Über Wochen ging das so, und immer die Schelte von der Cutterin. Es dauerte lange bis ich wirklich begriff, was sie meinte. Und dafür bin ich ihr auch heute noch dankbar. Filmen vor Ort heißt nicht nur draufhalten, sondern auch mitdenken. Um eine Situation zu erfassen, muss man die Kamera lange auf das zu filmende Objekt halten. Mindestens 10 Sekunden. Bei einem Schwenk aus dem Stand in die Bewegung gehen, und mit einem längeren Stand enden. Das war einfacher gesagt, als getan. Die Angst an der Unglücksstelle etwas zu verpassen, drängte mein Objektiv in alle Himmelsrichtungen. Das Zeitgefühl blieb dabei auf der Strecke. Ein Prozess, der nur langsam zu erlernen war. Sekunden werden am Unfallort zu Minuten. Das kann jeder nachvollziehen, der einmal auf die Rettung gewartet hat.
Eine Begegnung
Nach einem Jahr hatte ich mich etabliert, ich war der Mann für Unglücke und Katastrophen, egal was, wo im Ruhrgebiet und darüber hinaus passierte, ich war zur Stelle und lieferte die Bilder. Das besondere war, dass ich alles ganz alleine machte. Das war neu, das gab es bis dahin in Deutschland noch nicht. Und vor allen Dingen hatte es den Vorteil schnell ‚ und immer der Erste vor Ort zu sein. Mittlerweile war ich fast täglich Bestandteil der aktuellen Nachrichten aus Nordrhein - Westfalen.. Bald liefen meine Filme auch in der Tagesschau, In den Redaktionen bekam ich schnell einige Spitznamen. Unglücksbote, Katastrophenmann oder Bluthund. Irgendwie war mir das egal, denn die Beschreibung dieser Namen traf ja zu. Ich hatte mein Ressort, und in dieser Sparte erfüllte ich genau das ‚ was von mir gewünscht wurde. Es war für mich die Bestätigung meiner Arbeit. Auf dem Weg zu Tagesschauredaktion in der 7 . Etage des WDR in Köln kam es zu einer Begegnung mit dem damaligen Intendanten Nowotny. Im Fahrstuhl wurde ich ihm vorgestellt. Als der Mann, der alles alleine macht. Etwas irritiert, aber doch anerkennend und bewundernd kam folgender Satz über seine Lippen.
One Man, one Show.
Aber dieses, ein Mann in Alleinregie, brachte mir nicht nur Freunde, Kameraleute in festen Arbeitsverhältnissen argwöhnten schlimmes. Assistenten fürchteten um ihren Job. Es könnte ja sein, dass diese Arbeitsweise schule macht. Mit der Einführung der „Aktuellen Stunde" kam dann auch meine Zeit. Ereignisse, die kurz vor der Sendung passierten waren drin. Manchmal sogar der Aufmacher. Mittlerweile hatte ich sogar zum Mikrophon gegriffen und Interviews vor Ort geholt. Die Texte gab ich von unterwegs über das Autotelefon durch und brauchte nur noch mit der Cutterin die Bilder auf die Zeilen zu schneiden. Es war eine kleine Revolution. Denn dadurch, dass ich alles alleine machte, ging mir schon beim Drehen der Text durch den Kopf und ich kannte die Bilder dazu. Das ersparte Zeit beim schneiden, nur so konnte man aktuell berichten.
Schnell und Aktuell
In den Redaktionen war man begeistert. Und es dauerte nicht lange, da wurde ich noch kurz vor der Sendung angerufen. Wir brauchen einen O-Ton zu dem oder dem Thema. Man konnte sich darauf verlassen. Das Interview kam noch pünktlich. In einer Nachbesprechung zur Sendung hörte ich durch die Tür folgenden Satz. Wiebold anrufen und es funktioniert. Wieder hatte ich zu einem brisanten Thema einen aktuellen Interviewpartner vor der Kamera gehabt und damit das Thema gerettet. All diese Ereignisse erfüllten mich mit Stolz. Irgendwie war ich nun ein fester Bestandteil im aktuellen Fernsehbereich. Ich wurde geradezu süchtig nach Aktualität. Auch das Vertrauen, dass mir seitens der Redakteure entgegengebracht wurde stärkte meine Willenskraft so weiter zu machen. Obwohl mein Name in keiner Sendung auftauchte, war ich doch filmisch vertreten. Allein das war für mich eine stille Befriedigung, die mir noch heute wichtiger ist als die Bezahlung. Für mich stand immer die Nachricht im Mittelpunkt. Aber nicht nur Katastrophen wollte ich liefern. Immer mehr steigerte sich in mir der Gedanke ‚ das Revier in dem ich lebe zu Zeigen. Die Einführung des Bildspaziergangs in der „Aktuellen Stunde „ war für mich der Anstoß. Die Hinterhöfe, die Bergleute, das Leben im Ruhrgebiet im Bild festzuhalten, diese Idee hatte mich gepackt. Immer öfter beobachtete ich die Menschen mit der Kamera. Beim Kohlenschüppen, beim Wäscheaufhängen, beim Schlittenfahren oder Laubkehren. Auch die Kleingärtner wurden ins rechte Licht gerückt.
Im Schneideraum wurde die passende Musik ausgesucht und auf deren Rhythmus die Bilder geschnitten. Über zwei Jahre liefen diese Filme zum Schluss der Sendung. Eine Einrichtung, deren Einstellung ich noch heute bedaure. Mit der Einführung der „Aktuellen Stunde" begann auch der Weg die Wetterpräsentation zu revolutionieren. Wurde bisher lediglich die Wetterkarte gezeigt, ging man dazu über das Wetter ausführlich in einem 5 - Minutenblock zu präsentieren. Franz Burbach, ein Mann mit Kölner,, Schnauze" ließ sogar das scheußlichste Wetter zum Sonnenschein werden. Ein Genuss, für jedermann. Ein Tief, das hinten nicht mehr hoch kommt."
Wöchentlich wechselten zwei Wettermoderatoren. Der andere, Jürgen Triebel hatte die Idee, aktuelle Bilder des Tages in seine Schau mit einzubeziehen. Gemeinsam setzten wir das in die Tat um. Schon morgens früh trafen wir uns. Kein Bienenzüchter, kein Schwan auf zugefrorenen Seen war vor uns sicher. Die ersten Krokusse, die ersten Weidenkätzchen, alles das zeigten wir abends in der Sendung. Sogar der erste Schnee, der kurz vor der Sendung fiel wurde präsentiert. Aktueller ging es nicht. Es hatte spaß gemacht. Für mich war es Fernsehen zum anfassen. Besonderen Spaß hatte ich immer dann, wenn ich Menschen zeigen konnte, die nie im Leben daran dachten einmal für Sekunden Hauptdarsteller auf dem Bildschirm zu sein. Ich freute mich mit ihnen. Aber was heute zum Hauptbestandteil einer jeden Nachrichtensendung geworden ist, wurde damals eingestellt und für Jahre in der Art der Präsentation vergessen. Für Kreativität war einfach kein Platz mehr in den Sendungen. Und so blieb mir nichts weiter übrig als mich wieder voll und ganz auf die aktuelle Katastrophenberichterstattung zu konzentrieren, die ich zwar nie aus den Augen, aber doch etwas vernachlässigt hatte. Umso mehr freute ich mich über die Gelegenheit in der Sendung des Westdeutschen Werbefernsehens, WWF - Club den silbernen Bruno zu verstecken. Innerhalb einer einstündigen Live- Sendung, die von Marijke Armado, Frank Laufenberg und Jürgen Triebe! moderiert wurde bekam ich die Aufgabe eine in Silber gegossene Roboterfigur irgendwo im Lande zu verstecken. Zu Beginn der Sendung bekamen die Zuschauer per Telefon Tipps und Hinweise. Es war ein riesiges Erlebnis verfolgen zu dürfen, wie leere Marktplätze, einsame Parks und abgelegene Wiesen urplötzlich zu belebten ‚ menschengefüllten Orten wurden. Mit Kind und Kegel kamen sie in Scharen. Mit Taschenlampen suchten Kinder und Erwachsene die l000.- DM wertvolle Figur. Ich hatte diese Aktionen mit der Kamera zu beobachten. Der Finder wurde noch in der Live-Sendung über mein Autotelefon interviewt. Die Bilder in der nächsten Sendung, immer Freitags, gezeigt.
Solche Aktionen machten mir spaß, immer nahe am Zuschauer zu sein, für den das Fernsehen auf einmal greifbar nahe war. Er wurde Mitwirkender und konnte über ein Spiel einen kleinen Einblick in die Fernsehberichterstattung bekommen.
Für mich persönlich war die Zeit des WWF - Club eine besondere. Ich lernte fast alle Showgrößen persönlich kennen. Ich stellte fest, sie waren wie Du und Ich. Durch diese Begegnungen überwand ich die Scheu auf Menschen zuzugehen. Der Umgang mit Persönlichkeiten fiel mir viel leichter. Die Angst später vor einem Politiker zu stehen und ihn zu interviewen, war wie weggeblasen. Irgendwie fühlte ich mich solchen Menschen gleichgestellt. Ich ging locker auf sie zu und sprach sie einfach an. Das funktionierte und ging blitzschnell. Wenn ich so in die Runde schaute sah ich viele Kollegen, die erst ehrfürchtig fragten, und dann bis zu einer Stunde auf ihr Interview warten mussten. Da war ich schon fast am Sender.
Aber das alles waren die Schönen Seiten meines Berufes, Seiten ‚ die mir die Kraft gaben immer wieder raus zu fahren, wenn irgendwo etwas passierte. Und in dieser Beziehung habe ich alles gesehen, was man an Leid und Unglück als einzelner kaum verkraften kann. Ich selber bin nahe am, Wasser gebaut, und wenn man mir eine blutige Geschichte erzählt, dann falle ich um. Ein Rätsel, das ich bis heute nicht gelöst habe. Ich kann alles sehen, aber nicht hören. Meine Phantasie streckt mich zu Boden. Das Gehörte setze ich in meinem Kopf zu Bildern zusammen und erleide die Schmerzen. In der Realität, vor Ort, macht mir das alles nichts aus. Ich habe gelernt eben dort meine Gefühle auszuschalten, durch etwas hindurchzusehen und nur flüchtig durch meinen schwarz-weiß Sucher zu Betrachten. Aber vielleicht ist es gerade meine Sensibilität, die mich diesen Job machen lässt.
Nach außen als eiskalt und einer der über Leichen geht bezeichnet zu werden ist nicht schön. Aber daran habe ich mich gewöhnt. Kaum einer kenntt meine Gefühle, und nur wenige wissen wie oft ich geweint habe, wenn Kinder verunglückten oder Tiere qualvoll starben. Wo andere in Alkohol flüchten würden, ziehe ich mich zurück. Einsam sitze ich oft in irgendwelchen Kneipen, Cafes oder Pub‘s. Alleine und in Gedanken schlürfe ich dort meinen Kaffee. Eigentlich bin ich ein lustiger Typ, mit Humor und Witz. Aber der Job hat mich in die Bahn des Einzelkämpfers geschoben, zu einem Einzelgänger gemacht, der nur schwer Kontakt und Vertrauen zu anderen Menschen finden kann. Aber ich fühle mich wohl in dieser Rolle, warum, dass ist schwer zu erklären. Mit meinen Katastrophenbildern in der Hand auf dem Weg zum Sender ‚ bin ich ein Held, der es geschafft hat Bilder zu bekommen, die kein anderer hat. Im vorbeigehen, höre ich anerkennende Worte. Wie es hinter meinem Rücken ist, will ich gar nicht wissen.
Was meine Berichterstattung betrifft, da habe ich mir in der Branche einen Namen gemacht. Ich wurde zum Symbol des Unglücksfilmers. Meine Bilder liefen in allen Nachrichten der öffentlich Rechtlichen. Und das Gezeigte erregte niemanden, denn es waren Nachrichten des Tages. Sie gehörten dazu, wie das Salz in der Suppe. Auch am Unglücksort nahm man den Kameramann ernst. Polizei und Reporter respektierten sich. Jeder erfüllte seine Aufgaben. Und gab es Schwierigkeiten, so wurden sie noch vor Ort mit ruhigen Worten geklärt. Man einigte sich immer. Irgendwie kannte man sich, hatte einander Vertrauen geknüpft und wusste, dass man sich aufeinander verlassen konnte. Filmen ja, aber bitte nicht unbedingt alles senden, schon gar nicht im Detail. Eine schon fast private Atmosphäre.
Ich sah und sehe auch heute noch immer meine Bilder als Dokumente der Zeitgeschichte. Sie sollen als Nachricht dienen, aber nicht zur Unterhaltung missbraucht werden.
Eine Atmosphäre, die sachlich und ausführlich das Geschähen als Nachricht beließ. Keine Sensationshascherei, keine Übertreibungen. Die Bilder sprachen für sich, der Text dazu blieb sachlich.
Erster Kontakt mit RTL
Es war kurz nach Mitternacht in einer lauen Sommernacht 1984. Das Telefon riss mich aus meinem Halbschlaf Wolfgang, ich kann nicht mehr fahren, du musst mich nach Köln bringen, lallte es durch den Telefonhörer Es ist dringend, eine Kollegin, er stockte, ich glaube sie will sich das Leben nehmen. Ich muss zu ihr, sie hat mich angerufen, es scheint sehr ernst zu sein. In Sekunden war ich auf der Bahn, wenig später saß mein Freund neben mir. Wir steuerten Richtung Köln. In Höhe der Anschlussstelle Duisburg Kaiserberg unterbrachen plötzlich hektische Stimmen aus dem Feuerwehrfunk unser Gespräch. Das Haus brennt in voller Ausdehnung, Menschen sind bereits aus den Fenstern gesprungen, einige stehen kurz davor. Alle Verfügbaren Kräfte nach Wanheimerort. Die Stimmen überschlugen sich. Es gibt bereits Tote, Verletzte liegen auf der Straße. Und ich war nur 10 Kilometer vom Brandherd entfernt. Ich wurde auf eine fast unerträgliche Zerreißprobe gestellt. Doch ein Blick zu meinem Beifahrer sagte mir alles. Köln, Köln war wichtiger. Hier konnte ich helfen, hier musste ich helfen. Über Funk wurden bereits 5 Tote registriert, als wir das Wohnhaus in einer abgelegenen Seitenstraße in Köln erreichten. Hastig sprang mein Freund aus dem Wagen. Ich sollte warten. Die Zeit verging. Über 8 Stunden stand ich vor dem Haus. Die Sonne war bereits aufgegangen, ein strahlend blauer Himmel stand über Köln, als endlich die Haustür geöffnet wurde. Es ist alles in Ordnung, sie schläft, wir können wieder nach hause hörte ich meinen Freund sagen. In den Nachrichtensendungen des Hörfunks wurde bereits über die Brandkatastrophe berichtet. 8 Tote, 10 Verletzte war die Bilanz. Aber selbst diese Meldung schien mir nebensächlich. die Tatsache, dass ich einen Selbstmord verhindern half, war mir in diesem Moment wichtiger. Gegen 10 Uhr setzte ich meinen Freund in Bochum ab. Erst dann fuhr ich nach Duisburg. Mensch Wiebold, da biste aber spät dran, voller Ironie und triumphierend vor mir am Unglücksort gewesen zu sein machten sie aus ihrer Schadenfreude keinen Hehl. Fotografen und Kameraleute aller örtlichen Zeitungen und Sendern waren bereits am Ort. Da stand ich nun, ich hätte gar nicht mehr hinfahren sollen. In den Augen der Kollegen war ich ein Versager, der dann nicht da ist ‚ wenn es richtig kracht.
Trotzdem machte ich einige Aufnahmen. Aber für welchen Sender? Was zu drehen war, war schon gedreht von all den Anderen, und die hatten ihre Bilder bereits verkauft und gingen grinsend an mir vorbei. Ich fühlte mich wie ausgebrannt, eine leere durchzog meinen Körper, ich hätte Bilder aus der Nacht gehabt, wenn nicht, ja wenn nicht die Kollegin ….. Aber das als Entschuldigung den Kollegen sagen, das hatte ich nicht nötig.
Frustriert packte ich meine Kamera in den Kofferraum, nervös fingerte ich an meiner Zigarette. Gedanken aus der Nacht schossen wild durch meinen Kopf. als ich die den Brandort langsam verließ. Was war da eigentlich in Köln, hätte ich nicht doch erst nach Duisburg und dann Aber die Zeit ließ sich nicht zurückdrehen, Vorbei ist vorbei.
Ich wurde misstrauisch, ein Verdacht kam in mir hoch. War der Selbstmordversuch nur ein Vorwand, war die Fahrt nach Köln eine Fahrt für zwei verliebte, die nur ihren Spaß haben wollten, Wurde meine Freundschaft für ein Techtelmechtel missbraucht. Bis heute konnte ich diesen Umstand nicht klären. Jede Frage blieb unbeantwortet. Noch heute sitzt dieser Stachel tief in mir drin. Bis dahin war ich immer der erste am Unglücksort, auf mich konnten sich die Sender verlassen. Die Demütigung von den Kollegen am Unglücksort macht mir auch heute noch zu schaffen. Waren es doch diese, die immer nur von den Redaktionen geschickt wurden. Alleininitiative hatten sie nie gezeigt. Sie kamen bis dahin immer erst dann, wenn meine Bilder bereits in den Nachrichten waren und mussten die Nachberichterstattung machen. War ich nur so dumm, oder konnte ich nicht anders handeln. Ohne den Endgültigen Beweis belasse ich es bei der Selbstmordtheorie und tröste ich mich damit, dass ich einem Menschen geholfen hatte. Einem Menschen der heute Quotenstar ist. Also habe ich für mich persönlich und für das Publikum ein Stück Fernsehgeschichte geschrieben...
Da saß ich nun auf meinen Bildern. Sie waren genauso gut oder schlecht wie die der festen Kameraleute. Aber gegen die hatte ich nun mal keine Chance. Warum soll ein Sender meine Bilder kaufen, wenn der eigene Kameramann vor Ort war. Je mehr ich darüber nachdachte, kam mir eine Idee. Da war doch, da hat doch ein privater Sender in Luxemburg mit seinem Programm begonnen. Für uns in NRW zwar nicht zu empfangen, aber die hatten doch auch Nachrichten und erreichten einen Teil des deutschen Fernsehpublikums. RTL, ein Sender, der sich anschickte, den öffentlich Rechtlichen Paroli zu bieten. Aber von allen belächelt wurde. Sollte ich nicht einfach mal nachfragen, vielleicht haben die ja Interesse an meinen Bildern. Leichter gedacht, als getan. Pioniergeist machte sich in mir breit. Mensch, das wäre was, meine Bilder bei RTL. Ein Sender, den ich zwar nicht kannte, der aber vom Hörfunk her einen guten Namen hatte und bei allen beliebt war. Über die Postauskunft versuchte ich die Telefonnummer zu erfragen. Aber das erwies sich als nicht so einfach. Schließlich landete ich irgendwo in einer Redaktion des RTL Hörfunksenders. Ich bot meine Bilder an. Aber keiner konnte damit etwas anfangen. Wir machen doch kein Fernsehen, bekam ich zur Antwort.
Aber RTL ist doch auf Sendung war meine Antwort. Ja aber damit haben wir nichts zu tun entgegnete mir die Stimme am anderen Ende. Warten Sie mal, ich versuche mal herauszubekommen welche Telefonnummer der Fernsehsender hat, bleiben Sie dran. Es dauerte eine Ewigkeit, als mir eine Endlos scheinende Zahlenreihe genannt wurde. Mittlerweile war es 15 Uhr. Ich wählte die Nummer. Über die Zentrale wurde ich in die Nachrichtenredaktion verbunden. Erregt und mit zitternder Stimme überschlugen sich meine Worte. Ich erzählte von der Katastrophe und meinen Bildern. Zu meiner völligen Überraschung zeigte man an den Filmaufnahmen sofort Interesse. Wir haben um 18.53 Uhr Sendung, wie kriegen wir die Aufnahmen kam die Frage zurück. Ich schluckte. Ja, das weiß ich nicht, habt ihr kein Studio in Deutschland? Nein. Könnten sie nicht die Bilder bringen?
Ohne zu überlegen sagte ich zu. Ich war noch nie in Luxemburg, ich kannte nicht einmal den Weg. Aber all das war mir in diesem Moment egal. Ich ließ mir die Adresse sagen und startete durch. Irgendwie durch die Eifel, Euskirchen, Bitburg und dann über die Grenze. Das muss doch zu schaffen sein. Es waren noch knapp drei Stunden zur Sendung als ich auf die Bahn in Essen ging. Ständig den Blick auf die Uhr gerichtet schlich ich im Tross der Sommernachmittagsfahrer über die Bundesstraße durch die Eifel. Ich hatte das Gefühl überhaupt nicht vorwärts zu kommen. Irgendwann gegen 18 Uhr erreichte ich die Grenze. Der ständige Kontakt zur Nachrichtenredaktion gab mir den Mut weiterzufahren. Ich sah die Felle schon wegschwimmen. War alles umsonst? Eine freundliche Stimme machte mir Mut. Ich wurde gelotst. Und plötzlich riss die Leitung. Jetzt war alles aus. In Panik steuerte ich die nächste Tankstelle an. Grob wies man mir den Weg. Über breite Boulevards durchfuhr ich die Stadt. Bertrange, das war mein Ziel, irgendwo da musste in einem kleinen Gebäude der
Sender sitzen. Unaufhörlich tickte der Sekundenzeiger. 18. 30 Uhr. Und ich hatte mein Ziel noch nicht erreicht. Erst ein Taxifahrer erlöste mich von meinen Qualen. Er lotste mich bis vor die Tür des Senders. Ein völlig unscheinbarer Flachbau an einer viel befahrenen Straße außerhalb der Stadt. In Hemdsärmeln stand jemand in der Tür. Hans Meiser, wie ich später erfuhr, ein junger Redakteur, der die Nachrichten machte und auch verlas.
Hastig übergab ich die Kassette. Durch lange Flure, vorbei an Schneideräumen erreichten wir einen Schnittplatz. Das Material aus Duisburg. Schnell, das ist der Aufmacher tönte es aus seinem Mund. Es waren noch knapp 10 Minuten zur Sendung. Ich war nass geschwitzt. Mir wurde ein Glas Wasser gereicht. Auf einem Monitor sah ich die Uhr. Die Nachrichten begannen. Der Mann aus der Tür, mit ernster Miene begrüßte er das Publikum und verlas die Meldung aus Duisburg. Dann mein Film. Alles war vergessen, der ganze Stress, der Frust der letzten Nacht, 4o Sekunden Film, befreiten mich von meinen Qualen. Ein innerlicher Triumph gegenüber den anderen Kameraleuten kam in mir hoch. Denen habe ich es gezeigt. Meine Bilder waren auf Sendung. Mensch, klasse, das war gut. von allen Seiten hagelte es Lob al die Sendung beendet war. Da hatten wir nicht mehr mit gerechnet, das das noch geklappt hat!
Mir wurde das Haus gezeigt, das Studio, und die Bar, direkt am Eingang. Hier hielten sich prominente Fernsehstars in den Pausen auf. Um 19 Uhr fuhr ich langsam nach Essen zurück.
Über Jahre hinweg wurde der Weg nach Luxemburg nun fester Bestandteil meiner gedrehten Nachrichten.
Dieser Tag zeigte mir zum ersten Mal, wie ich von den festen Kameraleuten des Westdeutschen Rundfunks beneidet wurde. Sie träumten zwar immer von ihren großen Geschichten, waren aber freiwillig nie bereit nachts rauszufahren. Die Drecksarbeit überließen sie immer mir, aber gegönnt hatten sie mir die Bilder doch nicht. Und dabei blieb es auch. In den nächsten Jahren war ich immer noch der Erste vor Ort. Die anderen kamen wieder nur als Nachhut, Nie war vorher und auch in den nächsten drei Jahren der der stille Konkurrenzneid so zum Ausdruck gekommen. Freie Teams gab es zu diesem Zeitpunkt kaum. Aber auch die arbeiteten lieber bei schönern Wetter und in geregelter Arbeitszeit.
Ich machte meine Filme, bei Tag und Nacht, bei Regen, Schnee und Sonnenschein. Für mich gab es kaum Privatleben. Immer saß ich abrufbereit im Auto am Telefon. Aber das machte mir nichts aus, es faszinierte mich. Jeder Anruf, jede Information verbarg Neues. Eine Aufgabe, die ich zu bewältigen hatte und der ich mich stellte.
Und so vergingen Wochen, da bekam ich nach einem Unfall einen ganz besonderen Anruf. Das ZDF. Nie hatten sie im Vorfeld meine Bilder gekauft, Oft hatte ich ihnen diese angeboten. Aber immer eine Absage bekommen. War es der neue Sender RTL, der sie nun veranlasste auch mich als Berichterstatter haben zu wollen?
Fortan pendelte ich mit meinen Filmen von Düsseldorf nach Köln, von Köln nach Luxemburg 3o Sekunden ZDF, 40 Sek. WDR und 2o Sekunden RTL.
Es gab Tage, da legte ich bis zu 6oo Kilometer zurück. Und zwischendurch immer wieder eine Katastrophe.
Aber nicht immer hatte ich solche Wege zurückzulegen. Denn da gab es ja das Landesstudio des WDR in Dortmund. Und wenn es ganz knapp wurde, konnte ich von dort über die MAZ meine Filmaufnahmen innerhalb der ARD überspielen. Ich war mittlerweile bekannt wie ein .bunter Hund unter den Kollegen der einzelnen Studios.
Und immer kam die Frage: „ Wieso schaffst Du es immer so schnell überall durchzukommen, durch Staus, bei Eis und Schnee, bei Wind und Wetter. Was sollte ich darauf antworten. Ich schaffe es halt. Für mich gab es nichts Unnormales.
Ein Scherz mit "Folgen"
Und da bot sich mir eine ganz besondere Gelegenheit es den Kollegen mal zu demonstrieren.
Wieder hatte ich morgens einen schweren Unfall irgendwo im Ruhrgebiet gedreht. Die Tagesschau war an dem Material interessiert und sendete um 12 Uhr. Ich bekam die Order das Studio Dortmund anzufahren. Es war knapp. Ich kam aus Essen und der Ruhrschnellweg war mal wieder ein Schleichweg. Der Verkehr stand und die Zeit raste. In der Dortmunder Redaktion wurde man so langsam nervös. Alle 10 Minuten ging bei mir im Auto das Telefon.
Wo bist Du? Schaffst Du es? Natürlich antwortete ich. Wie immer. Und das mit einer Seelenruhe. Denn, das was keiner wusste ich war nur noch drei Minuten von der Redaktion entfernt. Ich hatte Glück, denn der Stau hatte sich plötzlich wie Luft aufgelöst. Und da kam mir die Idee. Durch reinen Zufall hatte ich eine Gelbleuchte mit Außenhalterung im Auto. Dazu das passende Blaulicht. Ein Bekannter hatte die Sachen aus Holland besorgt und bei mir im Wagen vergessen. Es war 11.30 Uhr ,als ich ganz langsam bis unter den Torbogen des WDR Studios fuhr. Dort stoppte ich den Wagen und montierte das Blaulicht auf das Dach. Ich befand mich auf reinem Privatgelände. Schelmisch wählte ich die Redaktion an. Hastig und mit sich überschlagender Stimme kündigte ich mich an. Der Pförtner möge bitte die Tür auflassen. Es wird knapp. Dann wartete ich seelenruhig 10 Minuten. Bäume verdeckten den Blick aus der Redaktion zur Hofeinfahrt. In der Redaktion fieberten sie dem Material entgegen. Um die Spannung anzuheizen rief ich noch einmal an. Ich bin in einer Minute auf dem Hof. Ich legte den Hörer auf. Und dann. Meine Räder drehten durch, die Reifen quietschten. Das Blaulicht blinkte und spiegelte sich in allen Fenstern. des Gebäudes. Ein heftiger Tritt auf die Bremse brachte das Auto zum stehen. Ein Geräusch, das den letzten von seinem Arbeitsplatz hochriss und aus dem Fenster, des mitten in einer ruhigen Parkanlage liegenden Hauses, erschrocken aus den Fenstern blicken ließ.
Ich genoss die Situation. Das war ein Gag. Ich ließ das Blaulicht laufen, riss die Wagentür auf und stürzte durch die Eingangstür ins Haus. Geschafft. Ein gestresster Gesichtsausdruck unterstrich meinen Einsatz.
Ich sehe noch heute die großen Augen des Redakteurs der die Kassette entgegennahm. Der Beitrag war fasst vergessen. Ruckzuck war der Film auf dreißig Sekunden zusammen geschnitten und nach Hamburg überspielt worden. Dann kehrte Ruhe ein, staunend wurde ich von einem Pulk zusammengelaufener Redakteure umringt. Hast du die Genehmigung für Blaulicht, das gibt’s doch nicht. Doch entgegnete ich, das gibt’s. Vom Regierungspräsidenten für besondere Leistungen im Straßenverkehr beim Transport für Nachrichtenfilme verliehen bekommen. Und im Hof blinkte es immer noch. Das sah verdammt gut aus, ein schwarzer BMW, und das Blaulicht. Fast schon perfekt.
Ich hatte das Gefühl sie glaubten mir, Ich kam mir vor wie ein Star, als ich durch das Treppenhaus eine Etage tiefer in die Kantine ging. Alle Blicke waren auf mich gerichtet. Ich hätte platzen können vor lachen. ‚Und von jedem die Frage Darfst Du? und immer dieselbe Antwort. Für besondere Verdienste.......
Mit einer Tasse Kaffee in der Hand setzte ich mich zu zwei bekannten Hörfunkkollegen. Randy Crott und Stefan Huy. Pikant. Stefan gehörte über Jahre dem Verkehrsstudio unter Alfred Cerban an. Fast täglich waren die von ihm gesprochenen Verkehrshinweise im Radio zu hören. Und ich hatte ihn überzeugt. Ein Blick aus dem Fenster war der Beweis. Es blinkte. rhythmisch blau, und immer noch für jedermann zu sehen. Sag mal, hörte ich Randy sagen, da kommt ja noch ein Blaulicht. Aber in grünweiß. Du, der steht vor Deinem Auto. Ungläubig blickte ich aus dem Fenster in den Hof. Tatsächlich, und noch einer, und noch einer. Drei Streifenwagen und vier Blaulichter schmückten das Gelände. Polizeibeamte mit Funkgeräten inspizierten mein Fahrzeug. Ich glaub ich muss wohl mal runter. sagte ich seelenruhig. Mir zitterten die Knie. Wohl war mir nicht. Ist das ihr Auto? Ja. Papiere bitte. Wo haben sie das Blaulicht her. Aus Holland entgegnete ich. Aber ich habe nichts Illegales getan. Ich befinde mich auf einem Privatgelände und nicht im öffentlichen Straßenverkehr. Und im Übrigen es handelt sich um einen Scherz. Ungläubig nahm man mir das Blaulicht ab. Wir hatten einen Anruf, der besagt anderes. Sie sind mit dem Blaulicht durch die Innenstadt gefahren.
Drei Stunden später bekam ich auf der Hauptwache die Blinkleuchte zurück. Der Fall hatte sich gelöst. Ein neidischer Kameraassistent hatte die Polizei gerufen. Er wollte mir eins auswischen und befand sich schon den gesamten Morgen im Sender. Er konnte selbst wenn es so gewesen wäre, das nie und nimmer gesehen haben.
Zum erstenmal Kameras ohne Ende
Es war Eiskalt am Morgen des Januar 1988. Vorsichtig steuerte ich über die Autobahn in Richtung Wuppertal. Über mein Autoradio hatte ich den Verkehrshinweis gehört. Chaos auf der A 1 zwischen Wermelskirchen und Wuppertal im bergischen Land. Starker Schneefall hatte dort den Verkehr lahm gelegt. Kilometerlange Staus, Querstehende Lastwagen blockierten eine der wichtigsten Verkehrsadern des Landes. Über die A 43 aus Bochum kommend näherte ich mich dem Ereignis. Das werden die Bilder des Tages, der Aufmacher jeder Nachrichtensendung. Vorsichtig mogelte ich mich von hinten durch den Stau. Die Fahrbahn war spiegelglatt, darüber fast 10 cm. Schnee. Das hatte es hier schon lange nicht mehr gegeben. Und dann noch die Meldung. Die A 1 ist seit vier Stunden komplett in Richtung Bremen gesperrt. Nichts geht mehr. Fast dreißig Zentimeter der weißen Pracht liegen auf der Fahrbahn. Mein Reporterherz schlug höher. Ich war quasi mitten drin. Und ich hatte Zeit. Zeit, denn die erste Nachrichtensendung war um 12 Uhr. Die Tagesschau.
Ich stellte mein Auto irgendwo auf den Randstreifen ab und schulterte die Kamera. Das war’s, das sind die Bilder. Durchdrehende Räder, querstehende Autos. Von links, von rechts, von oben und von unten. Eingeschneite Karossen, und darin die Fahrer. Hilflos und verzweifelt. Und es hörte nicht auf zu schneien. Für einen Kameramann wie mich, Bilder in Hülle und Fülle. Fast eine Stunde bin ich durch den Schnee gestapft, als ich mein Auto wieder fand. Die Motive hatten mich die Anstrengung vergessen lassen. In Gedanken sah ich bereits sämtliche Bilder über die Bildschirme laufen. Selbst die Schnittfolge malte ich mir schon aus. Durchnässt ließ ich mich hinter das Lenkrad fallen. Erst mal Pause. Es war kurz vor 6 Uhr. Meine Erlebnisse auf der Autobahn im Schnee geisterten durch meinen Kopf. Da ich auch für den Hörfunk arbeitete befiel mich die Idee im Morgenmagazin von der verschneiten Autobahn über Telefon live zu berichten. Schnell war die Nummer der Redaktion gewählt. Toll, Herr Wiebold, damit machen wir auf. Stecken sie wirklich mittendrin. Das muss ja schlimm sein. Geht wirklich nichts mehr, ich bejahte. Christine Lemmen wird sie anmoderieren und dann schildern sie bitte zwei Minuten live was sie sehen und erlebt haben.
Durch den Telefonhörer verfolgte ich das Programm. Die Sendung begann mit einem Trailer und einem krähenden Hahn. Dann war es soweit. Ausführlich schilderte ich die Lage vor Ort, berichtete über das unvorhergesehene Chaos. Danach legte ich den Hörer auf. Es dauerte keine 5 Minuten, da klingelte mein Telefon pausenlos. Hast du die Bilder, Wolfgang, wir haben dich gehört. Prima. Redakteure der verschiedensten Sender orderten bereits mein Material. Aber eins, das habe ich noch nicht, Die Sperrung der Autobahn, die musste ich unbedingt haben. Doch bis dahin waren es noch 5 Kilometer. ich startete mein Fahrzeug. Langsam quengelte ich mich über den Randstreifen ganz dicht und vorsichtig Meter um Meter an stehenden Autos vorbei.
Auf der Gegenfahrbahn lief nichts. Dort lag nur Schnee. Ich musste unbedingt die Sperrung haben. Fast 1 Stunde und dreißig Minuten tuckerte ich über das Eis. Ungläubiges schütteln der Köpfe von Autofahrern und der Finger an der Stirn von frustrierten über Stunden im Auto sitzender Fahrer begleiten mich auf meinem Weg. Noch 300 Meter. Da war sie ‚ die Sperrung. Ein Querstehender Streifenwagen, zwei Polizisten, und dahinter der Stau.
Ich stellte den Wagen ab. Denn ab hier ging auch in meiner Fahrtrichtung nichts mehr. Der Randstreifen war zu ende. Und zwei Lastwagen standen quer. Den Rest ging ich zu Fuß.
Ich kletterte über die Leitplanken ‚ und komplettierte meine Aufnahmen. „Gleich kommt ein Hubschrauber, "hörte ich plötzlich eine Stimme. „Sie sind doch vom Fernsehen oder "Wenn sie wollen, von oben das wären doch gute Bilder,,Ich konnte es nicht glauben. Das wäre sensationell durchfuhr es meinen Kopf. „Na klar entgegnete ich, wenn das ginge." Durch die geöffnete Fahrertür des Streifenwagens der Polizei konnte ich den Funk mithören. Tatsächlich, der Hubschrauber war auf dem Weg zur Absperrung. Und ich konnte ihn auch schon hören. Plötzlich tauchte er hinter einem Waldstück auf. Er kam näher und tiefer.
In Gedanken sah ich schon meine Bilder aus der Luft. Doch dann ganz überraschend. Er zog hoch, drehte ab und verschwand. Ungläubig schaute ich in die Runde." Was war los, was ist passiert?" „Kommt er doch nicht" rief ich einem Polizeibeamten zu. Der schüttelte mit dem Kopf." Nein, er wurde abgerufen", da soll ein Flugzeug abgestürzt sein. In Mülheim, an der Ruhrtalbrücke. Ich zuckte zusammen. Das ist fast vor meiner Haustür, das ist doch die Einflugschneise nach Düsseldorf Ich rannte zu meinem Auto. In mir brach eine Welt zusammen. Das konnte nicht sein. Ich hier in der Wildnis, eingeschneit und vor meiner Haustür.... Unglaublich. Es war kurz vor 8 Uhr. Mein Telefonhörer glühte. Es dauerte keine 5 Minuten, da hatte ich über einen Kollegen die Bestätigung. Es waren über 12 Passagiere an Bord. Und genau neben der Brücke ist sie runtergekommen. Wie versteinert saß ich hinter meinem Lenkrad. 4 Stunden hatte ich mich durch den Schnee gekämpft, hatte die Aufmacherbilder gemacht. Und dann das. Meine Bilder wurden von Sekunde zu Sekunde unwichtiger. Das Ereignis in Mülheim war ab sofort der Aufmacher. Noch weitere drei Stunden saß ich im Schnee, erst dann hatten Räumdienste die Autobahn halbwegs befahrbar gemacht. Gegen 12 Uhr erreichte ich die Absturzstelle. Ich packte meine Kamera gar nicht mehr aus. Es wäre sinnlos gewesen. Mindestens 10 Kameraleute kamen mir von der Absturzstelle entgegen. Aus der Ferne sah ich die Wrack- und Leichenteile liegen. Ich drehte mich um und ging. Trotz allem, meine Schneebilder liefen zwar doch, aber überall am Ende der Sendung. Dieser Absturz deutete es an. Die Vielzahl der Kameramänner die dort waren, erschreckte mich. Wo kamen die alle her. Die Festangestellten der Sender kannte ich.
Aber die Anderen? Über all die Jahre war ich alleine vor Ort. Natürlich bei solch einem Ereignis schickt jeder Sender sein eigenes Team. Aber es waren doch nur vier auf dem Markt. Der WDR, das ZDF, RTL und Sat. 1. Bei solchen Katastrophen kamen alle aus ihren Knopflöchern, da mussten sie dabei sein. Jeder wollte die besten Bilder. Und ich sah Gesichter, die ich nicht kannte. Was ich beobachtete gab mir zu denken. Die Absperrungen der Polizei wurden teilweise missachtet. Hier eine Leiche, dort ein abgerissener Fuß.
Die Objektive wurden geschwenkt, das Flatterband missachtet. Ich war zum ersten Mal außen vor. Ich war Zaungast einer Entwicklung, die später noch größere Ausmaße annehmen sollte.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich von einem Feuerwehrmann angesprochen wurde." Heute ohne Kamera Herr Wiebold, was ist das denn." Ich winkte ab. „ Sie sehen doch, warum sollte ich." Tatsächlich ich hatte nicht eine Aufnahme gemacht. Gereizt hätte es mich schon.
Und zum ersten Mal bezog ich „ Prügel, Prügel für eine Sache, mit der ich überhaupt nichts zu tun hatte. Auf einigen Kanälen waren Bilder gelaufen, die voll daneben lagen. Leichen detailliert. In Farbe und in Überlänge. Die nächsten Wochen wurden für mich zum Spießrutenlauf. An jeden Unglücksort zu dem ich kam, wurde ich angesprochen. Das war aber geschmacklos, das kann man nicht machen, aber so doch nicht. Eine für mich vollkommen neue Situation. Zum ersten Mal musste ich mich für das, was ich tue entschuldigen. Zum ersten Mal Diskussionen vor Ort. Zum ersten Mal der Versuch von Polizeibeamten und Feuerwehrleuten zu zensieren. Ich wurde zum Sündenbock und Verantwortlichen für Dinge die über die Sender liefen, mit denen ich wirklich nichts zu tun hatte.
Ein " Sohn "
Langsam hatte sich die Aufregung gelegt, es war Sommer. Auf der Fahrt durch Essen erhielt ich die Meldung über ein Zugunglück in Gelsenkirchen. Eine Werkslok sei abgestürzt und deren Anhänger hinterher. Über Verletzte und Tote war nichts bekannt. 15 Minuten später erreichte ich den Unglücksort. Durch eine Menschenmenge bahnte ich mir den Weg.
Wie ein Kartenspiel gefächert sah ich Güterwagen in den Himmel ragen. Drumherum die Ladung. Kohlen. Darunter die Lok. Gibt es Verletzte, und wie ist das passiert fragte ich einen Polizisten. Grob schilderte er mir den Unfallhergang. Die Lok hatte den Prellbock überfahren und dann, das sehen Sie ja. Gibt’s Verletzte. Ja, ein Lokführer ist rausgesprungen, Er kam ins Krankenhaus. Ein Zweiter, von dem wissen wir noch nichts, der muss noch in der Lok sein. Hektisch versuchten Feuerwehrleute sich durch die Kohle zu schaufeln.
Ein großer Kran wurde ausgefahren. Aber es waren Tonnen, Tonnen von Kohlen, die die Lokomotive begraben hatten. Und darüber bedrohlich die Güterwagen. Das kann Stunden dauern. Ich drehte ausführlich. Mit einem Anruf in der Redaktion der Aktuellen Stunde in Köln kündigte ich mein Material an. Kurz vor der Sendung traf ich dort ein. Der Film lief.
Ein Redakteur wurde mir zugeteilt. Bei diesem Ausmaß, da müssen wir dran bleiben. Wir planen für morgen Abend eine Reportage mit Interviews. Zu zweit fuhren wir zurück nach Gelsenkirchen.. Heinz Faßbender, ein freier Redakteur und ich. Gegen 21 Uhr erreichten wir den Unglücksort. - Es hatte zu regnen begonnen. Gespenstisch ragten immer noch die Wagen in den Himmel. Ausgeleuchtet von Scheinwerfern der Feuerwehr. Die Bergung des vermutlich eingeschlossenen Lokführers schien kaum voran zu kommen. Wir machten Interviews und Dokumentierten die Arbeiten. Der Regen wurde stärker und mit der Ausrüstung stolperte ich durchnässt über Berge von Kohle. Ich hatte die Schnauze voll. Und dann das Warten, das Warten auf die Bergung des Verletzten. Die musste ich haben, denn ohne diese wäre die Geschichte nicht rund. Und dann wurde ich angesprochen, von einem neugierigen Jungen, einem Jungen, der sich für das was ich mache interessierte. Dirk hieß er, und er wohnte hier. Ob er mir helfen könnte, beim Tragen der Geräte. Warum nicht dachte ich.
Erleichterung für mich, und die konnte ich gebrauchen. Und vor allen Dingen einen Kaffee. Die Zeit zog sich hin. Ich hatte keine Lust mehr. Dieses Warten. Und die Bergung schien keine Fortschritte zu machen. Alles ganz langsam, ganz vorsichtig. Das war ja richtig, die nicht Gefährdung des eventuell noch Lebenden in der Lok ging vor. Gegen Mitternacht entschlossen Heinz und ich vorerst Feierabend zu machen. Wir brauchten Schlaf.
Da ich in Essen wohnte, war es nur ein Katzensprung nach Gelsenkirchen. Und wenn was entscheidendes passierte, wären wir ja schnell zurück. Dirk wollte uns informieren. Er wohnte ja drt. Und so fuhren wir nach hause.
Bis zum Morgen blieb es ruhig. Gegen 10 Uhr rief Dirk an. Ich glaube in kürzester Zeit ist es soweit. Die Lokomotive ist schon fast zu erkennen. In Windeseile ging es nach Gelsenkirchen. Es dauerte noch drei Stunden bis die Lok endgültig freilag. Der Lokführer war tot. Ich machte meine Aufnahmen. Aus Dankbarkeit für seine Hilfe boten wir Dirk an mit nach Köln zu fahren. Dort könne er mal sehen wie so ein Film entsteht bis er auf Sendung geht. Natürlich wollte er. Und so fuhren wir zu dritt in die Domstadt zum Sender.
Während der Gespräche im Auto erzählte Dirk aus seinem Leben. Er sei in einem Heim groß geworden. Seit seinem zweiten Lebensjahr . Jetzt ist er 18 und entlassen worden. Ohne Berufsausbildung. Seine Schwester hat ihn in ihrer Wohnung aufgenommen. Seine Zukunft war ungewiss. In mir kam sofort der Gedanke ihm zu helfen. Ich war alleine, hatte eine große Wohnung und konnte jemanden gebrauchen der mir hilft. ich machte ihm das Angebot. Er sagte zu. Am nächsten Tag zog Dirk bei mir ein. Er hatte ein neues Zuhause. Der nächste Schritt war sein Führerschein.
Zum ersten Mal fuhr ich nicht mehr alleine durch die Nächte. Dirk wurde mein ständiger Begleiter. Für mich wurde er ein Sohn und Ersatz für eine Familie. Auf der Suche nach einer Fahrtroute hielten wir auf einer Landstraße an. Hohes Gras verdeckte einen alten Meilenstein am Strassenrand. Bei der Anfahrt krachte es ganz gewaltig. Eine satte Beule zierte mein Auto. Die Stoßstange hing runter. Dirks Improvisationstalent machte den Wagen schnell wieder flott. Wir fuhren nach Münster. Dort hatten unbekannte einen Brandsatz in ein türkisches Geschäft geworfen. Als wir eintrafen, waren die Straße und der Tatort bereits weiträumig von der Polizei abgesperrt worden. Einige Fotografen und ein Kamerateam des Westdeutsche Rundfunks aus dem Landesstudio Münster waren bereits dort. Kurz checkte ich die Lage ab, schulterte die Kamera und machte mit dem Teleobjektiv einige Aufnahmen. Wenig später führte uns ein Pressesprecher etwas näher an den Tatort. Ich hatte meine Bilder im „Sack". Zurück über die A 52 ging es nach Essen. Die Zeit drängte. RTL hatte bereits in Essen ein Außenstudio eingerichtet. Leiter der Redaktion war Ulli Klose. Hier konnte der Film bearbeitet werden und über eine Telefonleitung direkt nach Köln in die Sendezentrale eingespielt werden. Da der WDR ein eigenes Team vor Ort hatte konzentrierte ich mich nun noch auf das ZDF. Sie hatten in Düsseldorf ein Studio. und warteten auf meine Bilder.
Mit einer alten " Möhre " zur Geiselnahme
Am nächsten Tag kümmerte ich mich um einen Termin zur Reparatur meines Autos. Für mich gab es nichts Schlimmeres. Das Auto war mein Büro. Das Festeingebaute Telefon war für mich und meinen Job lebensnotwendig.
Aber der Wagen musste repariert werden, und so blieb mir nichts weiter übrig als in den sauren Apfel zu beißen. Aus Kostengründen bekam ich eine alte ‚ Schüssel" als fahrbaren Untersatz. Einen alten Ford Granada mit roten Kennzeichen. Für drei Tage, denn so lange sollte die Reparatur dauern.
Ahnungslos, was da auf mich zukam fuhr ich aus der Werkstatt. Hauptsache ich war mobil. Eine ruhige Nacht lag hinter mir. Zwei Stunden lag ich im Bett, als das Telefon mich aus meinen Halbschlaf riss. Herr Wiebold, da soll in Gladbeck eine Geiselnahme sein. Wissen Sie was davon. Eine Sekretärin des Wesdeutschen Rundfunks aus dem Landesstudio Dortmund hatte mich angerufen. Ich kümmere mich drum, und melde mich gleich zurück. Ein Anruf bei einem mir bekannten Taxifahrer in Gladbeck gab mir die Bestätigung. Er wusste zwar nichts genaues, Aber ihm seien verdammt viele Polizeiautos im Stadtgebiet aufgefallen. Da müsse wohl was dran sein. Blitzschnell zog ich mich an. Ich riss Dirk aus seinem Schlaf und gemeinsam rasten wir gen Norden. Erst im Auto wurde mir klar, was das Autotelefon für mich bedeutete.
Ich saß hilflos und von der Außenwelt vollkommen abgeschnitten hinter meinem Lenkrad. Dirk hatte die Karte in der Hand. Jetzt kam es nur noch auf meinen Instinkt an. Ich musste den Tatort finden. An einer Telefonzelle anzuhalten, das würde zuviel Zeit kosten. Es war bereits 10 Uhr und der Druck die ersten Bilder zu erhaschen und auf den Sender zu bringen war groß. Die Tagesschau um 12 Uhr. Wir hatten Glück. Ein Streifenwagen der Polizei mit Blaulicht und Martinshorn überholte uns an der Stadtgrenze. Ich versuchte die Verfolgung aufzunehmen, Ich versuchte dahinter zu bleiben. Grob hatte er uns den Weg gewiesen, als eine rote Ampel uns am weiterfahren hinderte. Der Ortsteil Rentfort war ausgeschildert. Und in diese Richtung war er gefahren, als ich ihn aus meinen Augen verlor. . .Also kam für mich nur der Ortsteil Rentfort in Frage, dort müsste der Tatort, die Geiselnahme sein, denn dahinter lag die Stadtgrenze nach Bottrop.. Und richtig, je näher wir dem Stadtteil kamen umso mehr Polizeiautos standen am Straßenrand. Wir bogen rechts ab. und da sah ich auch schon das Flatterband. Es war quer über die Straße gespannt. Sofort fuhr ich rechts ran. Vor mir sah ich eine Leiter an eine Hauswand gestellt. Dahinter das Logo der Deutschen Bank. Ich war da.
Die Deutsche Bank musste es sein, sie war der Tatort. Ich riss die Fahrertür auf, rannte zum Kofferraum griff zur Kamera und hatte diese blitzschnell auf meiner Schulter.
Aber was waren das für Motive, die sich mir anboten? Da waren das Gebäude, das Flatterband und drei Streifenwagen. Eigentlich eine ruhige, nichts auf eine spektakuläre Geiselnahme hindeutende Situation. Aber ich brauchte Bilder, Bilder die zumindest dem Fernsehzuschauer das Gefühl vermitteln sollten: Da ist was passiert.
Und plötzlich ‚ ich traute meinen Augen nicht. Plötzlich wurde ein Fenster in der ersten Etage des Flachbaus geöffnet. Unmittelbar an der Leiter. Personen kletterten ruhig aber zügig die Leiter hinunter. Damit hatte ich nicht gerechnet. Schnell richtete ich das Objektiv in die Richtung. Die Kamera lief. Ja, das waren die Bilder, Menschen auf der Flucht vor den Tätern. „Waren es Geiseln, die sich befreien konnten? All das wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, für mich zählten nur noch die Bilder. Erst später erfuhr ich ‚ dass es sich um Patienten einer Arztpraxis gehandelt hatte, denen der Fluchtweg durch das Treppenhaus, vorbei an der Bank versperrt war.
Und genau das waren die Bilder, die Bilder die eine Geiselnahme erahnen ließen, Bilder die eine gewisse Dramatik dokumentierten. Und ich hatte kein Telefon. Ich konnte nicht in die Redaktion telefonieren und die Geiselnahme bestätigen. Weit und breit nicht einmal eine Telefonzelle. Was tun? Ich rannte zu einer Haustür und schellte irgendwo Sturm. Als mir geöffnet wurde fragte ich hastig:" Haben Sie ein Telefon, kann ich dringend telefonieren?" Mit Worten überrumpelte ich eine ahnungslose Hausfrau, die zwar hier wohnte, aber von dem was sich vor ihrer Haustür abspielte keine Ahnung hatte. Ich lief geradewegs in die Wohnung zum Telefon, nahm den Hörer ab und wählte die Redaktion des Westdeutschen Fernsehens in Düsseldorf an. Dabei erklärte ich der Wohnungsinhaberin mit zwei Sätzen wer ich bin und was passiert ist. Wie immer, wenn man es eilig hat, es klingelt, und keiner hebt ab. Oder kam mir das nur so lange vor. Endlich! Wiebold hier, ich habe Bilder, Menschen retten sich über eine Leiter, sie fliehen vor den Gangstern brauste es aus mir hinaus. Ich komme direkt ins Studio nach Düsseldorf Es wird knapp mit der Zeit. Es war 11 Uhr und die Tagesschau ging um 12 Uhr auf Sendung. So schnell wie ich in der Wohnung war, war ich auch wieder draußen. Ich flitzte zum Auto, startete und raste auf die Autobahn. Im Gegensatz zu mir, saß Dirk seelenruhig auf dem Beifahrersitz. Während ich drehte hatte er Anwohner befragt und Informationen gesammelt. . Der Zeitdruck saß mir im Nacken. Ich war nass geschwitzt und zitterte am ganzen Körper. Und in diesem Moment war Dirk für mich der ruhende Pohl. Er nahm mir den Stress und erzählte seine gesammelten Informationen.
Etwa 15 Minuten vor der Sendung erreichten wir das Funkhaus. Mit dem Band rannte ich in die dritte Etage. Zwar gab es einen Fahrstuhl, aber wer diesen kennt, der weiß bescheid. Ein Bummelzug aus Glas. In der Redaktion war man verunsichert. Gab es überhaupt eine Geiselnahme? Von der Polizei hatten sie keine Information erhalten. Die Polizei hatte abgeblockt. Über dpa lief nichts Genaues. Erst meine Angaben und meine Aufnahmen waren für die Redakteure der Beweis. Schnell wurde der Text geschrieben, die Bilder geschnitten. Um 12.o5 war die Tagesschau vorbei. Die ersten Aufnahmen der Geiselnahme von Gladbeck waren gesendet. Und wieder saß ich auf heißen Kohlen. Ich musste zurück, zurück nach Gladbeck. Bei Geiselnahmen weiß man ja nie, man weiß einfach nicht wann sie enden, und vor allem wie sie enden. Und dann nicht mit der Kamera dabei zu sein, dass wäre eine persönliche Katastrophe. Vom Gefühl her wusste ich, dass diese Geiselnahme sich hinziehen würde und so regte ich an einen Ü-Wagen dort hinzuschicken. Denn Flur die noch kommenden aktuellen Sendungen wäre eine ständige Hin- und Herfahrerei nicht möglich.
Es dauerte knapp 30 Minuten da hatte ich einen Übertragungswagen im schlepp. Über die A 52,A3 und A 31 erreichten wir etwa gegen 13.30 Uhr den Tatort in Rentfort. Mittlerweile hatten sich hunderte Schaulustige am Flatterband eingefunden. Auch Fotografen waren schon vor Ort. Die Polizei war bereits mit mehreren Hundertschaften im Einsatz. Und doch sah alles ganz friedlich aus. Denn, da war nur der Flachbau, darin die Filiale der Bank, aber zu sehen gab es sonst nichts. Noch während der Übertragungswagen seinen Standort einnahm trudelten nach und nach immer mehr Journalisten und Kameraleute ein. Gegen 4 Uhr standen bereits fünf Übertragungswagen vor dem Flatterband am Straßenrand. Eine lockere Atmosphäre, die überhaupt nicht auf den Ernst der Lage deuten ließ. Aber für Kameraleute und Fotografen sind das alles keine Motive. Und so begann die Suche jedes einzelnen nach einem besonders guten Standort, denn wenn die Geiselnahme beendet werden sollte, dann wollte jeder die Bilder haben. Die Aufgabe der Täter, den Finalen Schuss, oder die Übergabe des Lösegeldes. Auch die Vorfahrt eines Fluchtautos. Alles das musste von jedem Kameramann einkalkuliert werden. Denn das sind die Bilder, die gesendet werden. Bilder die zu einer Geiselnahme gehören. Der Kampf der Kameraleute um die besten Plätze begann.
Ich hatte mich schon ziemlich schnell in einer Parterrewohnung genau hinter der Rückfront der Bank eingenistet. Durch den Garten, den Keller waren wir, Dirk und ich in den Hausflur gelangt. Eine junge nette Familie hatte den Küchentisch zur Seite geschoben. Wir saßen in der ersten Reihe. Von meiner Position konnte ich alles beobachten. Scharfschützen in den gegenüberliegenden Häusern, maskierte SEK - Beamte auf dem Dach der Bank. Jede Aktion wurde gefilmt. Und immer die Frage: Wann wird gestürmt? Dirk wurde zum Kurier. Nach jeder spektakulären Aktion durch Polizeibeamte auf dem Dach oder vor den Fenstern der Bank lief er mit dem gedrehten Material durch den Keller, den Garten über einen Zaun zum Ü-Wagen. Mit neuen Spekulationen der Kollegen kam er zurück. Der Nachrichtenaustausch funktionierte unter den Kollegen. Der Abend war hereingebrochen, als plötzlich ein Mercedes genau vor meiner Kamera auf der Straße langsam hinter die Bank fuhr. Die Spannung stieg. Jetzt ist es soweit, endlich. Die Geiseln kommen frei, Die Täter werden in den Wagen steigen. Und dann, dann wird etwas passieren. Aber was? Ständig kontrollierte ich die Batterie meiner Kamera. Jetzt darf mir nichts passieren, Vor meiner Kamera die Täter, die Geiseln, etwa der Finale Schuss. Und dann ein technischer Defekt, nicht auszudenken.
Langsam verschwand der Mercedes hinter dem Gebäude. Knisternde Spannung hing in der Küche. Wir flüsterten nur noch. Mein Auge klebte am Sucher. Die Zeit schien stehen zu bleiben. Und dann noch die Ungewissheit. Wann kommen die Täter raus? Ich traute mich kaum noch zu bewegen. Jetzt nur nicht versagen. Den Augenblick genau erfassen ‚und die Kamera nur noch laufen lassen.
Aber nichts passierte. Die Konzentration ließ nach. Fast 7 Stunden stand ich ununterbrochen an der Kamera. Und wieder zögert sich alles hin. Es war bereits stockdunkel und draußen bewegte sich nichts. Kein Polizeibeamter war mehr zu sehen. Jedes Geräusch egal woher es kam ließ mich zusammenzucken. Die Nervenanspannung war fast unerträglich. Und plötzlich, Scheinwerfer erleuchten die Straße hinter der Bank. Der Mercedes kam ganz langsam genau auf mich zu. Ich sah die Täter, die Geiseln. Aber durch die Kamera sah ich nur aufgeblendete Scheinwerfer. Das Licht überstrahlte alles. Ich fluchte. Die Täter müssen mich gesehen haben, das machen die extra. Im Schritttempo bog der Fluchtwagen nach links ab. Nach drei Metern blieb er stehen. Sofort riss ich meine Kamera vom Stativ, stürzte durch das Treppenhaus auf die Straße. Die Haustür fiel hinter mir zu. Verdammt, ich saß in der Falle. 5 Meter hinter dem Auto stand ich mit der Kamera auf der Schulter. Mein Herz rutschte in meine Hose. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl einen Schritt zu weit gegangen zu sein. Wenn jetzt einer der Täter aussteigt, was dann? Doch in diesem Augenblick gaben die Täter Gas. Der Wagen rollte von mir weg. Langsam, aber zügig. Ich atmete tief durch. Ich sah über das Auto hinweg und erschrak. Noch nie zuvor hatte ich so viele Scheinwerfer an einem Straßenrand gesehen. Ich sah nur noch Kameras und Menschen. Wie hypnotisiert lief ich hinter dem Fluchtwagen her. Ein Blitzlichtgewitter erhellte die Nacht. Der Fluchtwagen beschleunigte und verschwand aus der Siedlung. Das war’s, jetzt schnell zum Auto und hinterher. Doch denkste. Eingekeilt von Schaulustigen und Polizeiautos ging nichts mehr. Sämtliche Straßen aus dem Wohngebiet blieben durch Polizeibeamte gesperrt. Eine Verfolgung der Täter war nun ausgeschlossen.
Aber irgendwie war ich froh, der Stress des Tages löste sich langsam auf. Jetzt war mir alles egal. Sollen sie doch hinfahren wohin sie wollen. Ich kann nichts mehr tun. Und kaputt war ich sowieso. Ich hatte mein Filmmaterial bereits am Ü-Wagen abgegeben und versprochen Augen und Ohren über den weiteren Verlauf der Flucht offen zu halten. Dann fuhren Dirk und ich langsam nach Hause. Im Autoradio hörten wir die Nachricht: Der Fluchtweg führt Richtung Norden, weg aus dem Ruhrgebiet über die Autobahn. Eine Verfolgung wäre nun absolut sinnlos gewesen. Irgendwann in der Nacht fiel ich todmüde ins Bett.
So richtig ausgeschlafen war ich nicht, als ich am nächsten Morgen meine Augen öffnete. Immer wieder war ich in der Nacht aufgewacht. Der gesamte Tag war mir noch einmal in Gedanken durch den Kopf gegangen. Wie konnte ich nur aus dem Haus laufen und direkt hinter dem Fluchtwagen filmen. Wieso war das überhaupt möglich. Warum hatten Journalisten die Möglichkeit so nahe am Geschehen zu sein. Weshalb brannte bei mir eine Sicherung durch. Es war das Fieber, der Drang nach Bildern, die keiner hat. Und dann die Fahrt des Fluchtwagens entlang der Straße, Das Aufgebot an Journalisten. Wie auf einer Tribüne ‚ standen sie da. Das hatte ich vorher in der Form noch nicht erlebt. Immer war bei vorherigen Geiselnahmen alles weiträumig abgesperrt. Der eventuelle Fluchtweg von der Polizei vorher von Journalisten und Schaulustigen gesäubert worden Ich sah die Erstaunten Gesichter der Fotografen, als ich aus dem Dunkel selber in das Rampenlicht geriet, als ich hinter dem Fluchtwagen herlief und plötzlich wie ein Filmstar ausgeleuchtet war...
Das alles wurde mir erst in der Nacht klar. Das Fieber der Aktualität hatte mich selber und auch das Leben der anderen Journalisten in Lebensgefahr gebracht.
Ich schaltete das Radio ein. In den Nachrichten erfuhr ich ‚ das die Gangster in Bremen waren. Journalisten hingen ihnen an den Versen. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Bremen, das war nicht mein Einzugsbereich. da hatte ich nichts mit zu tun. „Sollen sie da oben bleiben."
Ich zog mich an und ging in ein Cafe. Ich ließ den Tag langsam angehen. Der gestrige Stress hatte mir gereicht. Gegen Mittag fuhr ich wieder durch das Ruhrgebiet. Auf der Lauer nach heißen Geschichten. Dann ein Anruf. Wiebold, die Geiselgangster sollen gestern Abend noch im Essener Norden in eine Spielothek gegangen sein. Dort sollen sie telefoniert haben. Karnaper Straße, gibt es die? „Ja die gibt’s" ‚ antwortete ich, „in Altenessen." Wir brauchen einen Nachdreh zu gestern, können Sie nicht rauskriegen wo das war, und Zeugen befragen..
Na klar, das kann ich machen." antwortete ich. Und schon war ich wieder drin in der Geiselnahme. Unmittelbar unter der Autobahnbrücke der A 42 war die besagte Spielothek.
Ich packte meine Kamera aus und „stiefelte" hinein. Ich bin vom Fernsehen, sagen Sie, waren hier gestern die Gladbecker Geiselnehmer?" „ Ja," kam die Antwort, „ hier sind gestern Leute blitzschnell vorgefahren, kommen Sie mal mit raus. Da, sehen Sie die Bremsspur?
Das können nur die Geiselgangster gewesen sein. Sie hielten hier und telefonierten. Aber wir wussten nicht, dass das die Geiselgangster waren. Wir haben uns dabei nichts gedacht."
Ich machte meine Aufnahmen von der Bremsspur, dem Laden und einen O- Ton von der Aushilfe.
Zufrieden und ungestresst fuhr ich zum Funkhaus nach Dortmund. Ich gab das Band ab und fuhr nach hause. In der „ Aktuellen Stunde" bewunderte ich abends meinen Film. Nebenbei wurde ich zwangsläufig aus Funk und Fernsehen über die Weiterentwicklung der Geiselnahme informiert. Die Täter waren immer noch bei Bremen. Inzwischen sollen sie einen Bus gekapert haben. In den Nachrichten der einzelnen Sender sah ich die Bilder des Tages. Fast jeder Schritt der Täter war von Kameramännern beobachtet worden. In mir begann es zu kribbeln. „Verdammt, hätte ich vielleicht nicht doch nach Bremen fahren sollen". Die Bilder hätte ich auch machen können. Wie war das nur möglich, die Täter in Großaufnahme, und nirgendwo die Polizei. So eine leichte Arbeit. Ich war „platt". Irgendwie ärgerte ich mich darüber, dass ich nicht sofort nach Bremen gefahren war. Eigentlich der Traum eines jeden Journalisten, immer hautnah dran zu sein, wie in Amerika und völlig ungestört von der Polizei. Der Traum aller Journalisten wurde wahr.
Gegen 22 Uhr saß ich vor der Flimmerkiste, gespannt wartete ich auf die neuesten Bilder und Nachrichten von der Geiselnahme. Gemütlich hatte ich mich auf meiner Wohnzimmercouch gekuschelt, die Füße hochgelegt. Natürlich war die Geiselnahme das Aufmacherthema in den Tagesthemen. Noch einmal wurde der Tag zusammengefasst. Die Bilder des gesamten Tagesablaufs gezeigt. Und wieder schoss es mir durch den Kopf. Wie ist das Möglich, wieso sind Kameramänner näher an den Tätern als die Polizei. Ist das Absicht. Schaut die Polizei nur zu. Der Eindruck, dass die Polizei die Presse frei gewähren ließ wurde in mir immer stärker. Ein Kameramann war sogar im Bus, ein anderer war dabei als die Täter auf die Toilette gingen. Bilder von der Polizei waren überhaupt nicht zu sehen. Und dann plötzlich ein Interview mit einem der Täter. Mir verschlug es die Sprache. In der Vergangenheit hatte ich querbeet alle Paletten der Kriminalität mit meiner Kamera in Bildern festgehalten. Aber immer war ich mir Beobachter. Ich dokumentierte das Geschehen. Mir wäre nie der Gedanke gekommen mit den Tätern Kontakt aufzunehmen. Warum auch, das ist doch die Aufgabe der Polizei. Mit meinen bisher von Tatorten gedrehten Bildern war man immer zufrieden. Und jetzt, ein Interview mit einem der Täter. Und weit und breit keine Polizei. Der Drang nun doch nach Bremen zu fahren verstärkte sich in mir. Solche Arbeitsbedingungen, ohne Absperrmaßnahmen der Polizei gepaart mit meiner langjährigen Erfahrung, da müsste ich noch ganz andere Bilder bekommen. Die Polizei hätte ja bestimmt nichts dagegen. Ich hatte den Eindruck, dass der Polizei alles egal sei. Jeder konnte tun was er wollte. Warum sollte ich dann nicht auch. Und bestimmt ging es nicht nur mir so. Ich machte mich auf den Weg.
Gemeinsam mit Dirk fuhr ich Richtung Norden. Über das Autoradio erfuhren wir ständig das Neueste von den Gangstern. Reporter hatten sich an die Versen des Autobusses gehängt, der nun zurück über die A 1 in Richtung Ruhrgebiet fuhr. Wir fuhren ihnen entgegen. An einer Telefonzelle der Raststätte Münsterland machten wir Halt. Der Bus war kurz vor dem Autobahnkreuz Osnabrück. Ich kombinierte. „ Wenn die Täter zurück ins Ruhrgebiet fahren, dann würden sie bestimmt hier auf der anderen Seite anhalten. Also bräuchten wir nur zu warten. An der Tankstelle deckten wir uns mit kalten Getränken und Keksen ein. Plötzlich klopfte es an der Beifahrerseite. Ein Fotografenkollege einer großen Agentur begrüßte uns. „ Wisst ihr schon näheres, kommen die hierher? war seine Frage. Du musst das doch wissen, du kennst dich doch aus. „Ich glaub schon" antwortete ich, „ es sieht alles danach aus." Er setzte sich zu uns ins Auto. Zu dritt hörten wir über Radio die neueste Fahrtroute der Gangster. „ Verdammt, brüllte ich, die Fahren nach Holland, die sind im Autobahnkreuz Osnabrück auf die A 30 Richtung Amsterdam abgebogen.
Sofort fasste ich einen Plan. Wir fahren über die Grenze bei Gronau, und von dort kommen wir irgendwie auf die A 30. Der Bus muss doch einzuholen sein. Der Fotograf stieg aus. Ich rief ihm hinterher, dass er an mir dran bleiben soll, ich kenne mich hier aus und wüsste den kürzesten Weg über die B 54.Gemeinsam erreichten wir den Grenzübergang. Ich vorneweg.
Dann das böse Erwachen. „Mit ihrem Auto können sie nicht nach Holland. "Mit roten Kennzeichen ist das nicht erlaubt, "eröffnete mir der Zollbeamte. Richtig, daran hatte ich nun wirklich nicht mehr gedacht. Schnell schloss ich mich mit dem Fotografen kurz. „ Können wir bei Dir mitfahren." Ohne zu zögern bejahte er meine Frage. „Mit Dir zusammen, da weiß ich, dass ich meine Bilder bekomme, war die Antwort. Er schien sogar sehr froh darüber zu sein. Er wusste, das ich zuvor immer gute Bilder bekommen hatte, obwohl Polizeisperren eben dieses verhindern sollten. Und hier, hier gab es ja fast gar keine Polizei. Jedenfalls bis jetzt.
Gemeinsam in seinem roten Golf steuerten wir Richtung Amsterdam. Wir folgten den Hinweisschildern zur Autobahn. Im Radio nur holländische Nachrichten. Wir konnten nichts verstehen. An einer Raststätte hielten wir an. Ein anderes deutsches Kamerateam stand bereits dort. Ich kannte die Kollegen. Sie hatten einen Holländer aufgetan, der ihnen die Nachrichten übersetzte. Genaues wussten sie aber auch nicht. Jedenfalls sind die Gangster mit ihrem Bus hier noch nicht vorbeigekommen. „ Aber irgendwo müssen die doch sein." sagte ich, "die können sich doch nicht in Luft aufgelöst haben." Nachdenklich zog ich an meiner Zigarette. „ Erst mal einen Kaffee, die müssen nach Amsterdam hier vorbei. Ich glaube wir stehen hier richtig. Etwa eine halbe Stunde verging, als uns der Tankwart ansprach. „ Die sind von der Autobahn runtergefahren, die stehen irgendwo auf einer Landstraße mitten im Wald. Das kam gerade über die Nachrichten. Sofort schnappte ich die Hollandkarte. In Sekunden versetzte ich mich in die Lage der Täter. Mit dem Finger verfolgte ich eine Landstraße von der Autobahn kommend. „ Die muss es sein sagte ich, hier sind sie abgefahren. Da müssen sie irgendwo stehen.". Sofort startete der Fotograf seinen Wagen. Hinter uns das andere Kamerateam. Über die Autobahn fuhren wir Richtung Deutschland. „Hier runter, schrie ich," hier müssen wir ganz nahe dran sein." Meine Augen klebten auf der Straßenkarte. Ich lotste den Fahrer. Und richtig. Nach zwanzig Minuten stießen wir auf einen Pulk Kameramänner, Fotografen und Reporter. Sie hatten ihre Positionen bereits eingenommen. Sie standen hinter einem Flatterband, das von der holländischen Polizei gespannt worden war. Wir hielten an, ich sprang aus dem Auto. Ich sah verzweifelte Gesichter der anderen Kollegen. Hier war Endstation. „ Dahinten, da wo die Straße erleuchtet ist, da steht vermutlich der Bus." sagten sie mir. „Die Holländer haben alles dicht gemacht" Ich ging zurück zum Auto. Setzte mich rein, schnappte die Karte und kombinierte. „Wenn wir hier weiterfahren, müssten wir irgendwie auf die andere Seite der Absperrung kommen, vielleicht kann man von dort was sehen. „sagte ich.
Wir fuhren los. Nach 500 Metern sah ich in der Ferne ein Blaulicht. „ Stopp" schrie ich," wenn die da abgesperrt haben, müsste der Bus rechts von uns hinter diesem Wäldchen stehen." Mit ausgeschaltetem Licht fuhren wir noch ein Stück weiter. Neben uns tauchte ein Maisfeld auf. Dazwischen verlief ein Feldweg.
„Hier rein „sagte ich, wenn wir hier durchfahren, müssten wir eigentlich auf die gesperrte Straße kommen. In der Ferne sah ich Licht am Himmel. „ Das müsste die Straßenbeleuchtung sein. Lass uns darauf zufahren. Im Schritttempo holperten wir durch das Feld. Es war stockduster, Dirk stieg aus und ging vorneweg. Jetzt nur nicht in ein Schlagloch fahren und stecken bleiben war die Devise. Ein mulmiges Gefühl hatte ich schon, aber irgendwo musste der Feldweg ja enden. Ich schaltete die Innenbeleuchtung ein und schaute auf die Karte. „Ich glaube wir kommen direkt auf die Landstraße, wo der Bus steht" sagte ich, „ hier ungefähr befinden wir uns" ich zeigte mit dem Finger auf die Karte. Dirk war bereits voraus gelaufen und kam zurück. „Da vorne endet er Weg, da ist eine geteerte Straße" rief er uns zu. „ Nur noch 100 Meter durch einen Wald." Behutsam steuerte der Fotograf geradewegs auf die Straße zu. Die Vorderräder hatten bereits den Asphalt berührt. „ Und jetzt" sagte er, „rechts oder links, in welche Richtung sollen wir fahren „ fragte er. Mein Instinkt sagte mir links." Fahr links runter, denn links ist es am Himmel hell, da müssen Laternen sein, da muss der Bus von der Feuerwehr oder der Polizei ausgeleuchtet sein. Wir befanden uns in einer lang gezogenen Kurve. Wir konnten in keiner Richtung ein Ende der Straße erkennen. „ Lass das Licht aus," sagte ich, wenn wir innerhalb der Sperre sind, müssen uns die Polizeibeamten ja nicht unbedingt sofort erkennen." Nach etwa dreihundert Metern sahen wir in der Ferne Blaulichter. Man konnte Scheinwerfer erkennen. „Verdammt" sprudelte es aus mir raus, „wir sind voll im abgesperrten Bereich, dann hätten wir vorhin rechts fahren müssen. Zum drehen ist es jetzt zu spät, die Polizei hat uns erkannt. Der Bus steht in der anderen Richtung." Aber jetzt wissen wir wo er steht." Schalte das Licht ein, und fahr normal auf die Sperrung zu sagte ich, Wenn die uns fragen wo wir herkommen antworten wir, dass wir uns verfahren haben und den Weg zur Grenze nach Deutschland suchen. Wir verstecken die Kamera und den Fotoapparat." Wir sind keine Journalisten, und von einer Geiselnahme wissen wir nichts." Wir stellen uns einfach doof." Unsere Blicke waren nach vorne gerichtet, als der Fotograf die Scheinwerfer einschaltete. Und plötzlich ein Schrei vom Hintersitz. „ Der Bus, wir stehen genau daneben, Köpfe runter, die zielen auf uns. „ Tatsächlich, wir befanden uns neben dem Bus, die Täter hatten uns gesehen. Verunsichert schauten sie in unser Auto. Unsere Blicke trafen sich. „ Schnell,,schrie ich, gib Gas, bloß weg hier". Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet. Der Schreck saß uns in den Knochen, die Räder drehten durch. Blitzschnell waren wir an der Absperrung. Ungläubig sahen wir in die Gesichter der holländischen Polizei. „Jetzt gibt es Ärger" sagte ich, ‚"jetzt ist alles vorbei. Die nehmen uns fest" Barsch wurden wir gefragt wo wir herkommen, und wir stellten uns doof. Mit Erfolg. Mit einigen Flüchen wurden wir zur Weiterfahrt aufgefordert, der Weg zur Grenze wurde uns aber noch beschrieben. Das ist ja noch mal gut gegangen,, sagte ich, „ komisch normalerweise hätten die doch misstrauischer sein müssen. „ Die scheinbare Gleichgültigkeit der Polizisten ermunterte mich den Fotografen in den nächsten Feldweg nach links abbiegen zu lassen. Dort hielten wir an. Wir atmeten tief durch. Was nun" überlegte ich, „ jetzt wissen wir ganz genau wo der Bus steht. Ich glaube, zu Fuß müssten wir durch den Wald in die Nähe kommen.
Wir wussten, weit und breit war keine Polizei. Die hatten nur die Straße in beiden Richtungen abgesperrt, aber nicht den Wald.Über einen Campingplatz führte uns der Weg 400 Meter durch das Unterholz. Langsam schlichen wir durch den Wald. Der Morgen graute. Langsam wurde es hell. Durch eine Lichtung hindurch erkannten wir den Bus. Wir kamen seitlich genau auf ihn zu. Etwa 20 Meter neben dem Fahrzeug versteckten wir uns hinter einer Hecke. Wir konnten durch die Fenster genau die Geiseln sehen, hatten freien Blick auf das gesamte Geschähen am Bus. Und weit und breit wieder keine Polizei. Ich habe das einfach nicht verstanden. Die hätten doch genauso wie wir bis an den Bus schleichen können. Und mit deren Mitteln hätten sie jederzeit die Geiselnahme mit Scharfschützen beenden können. Mit der Kamera hatte ich die Täter doch auch im Visier. Für mich war das zu diesem Zeitpunkt alles unbegreiflich. Hauptsache, ich hatte meine Bilder. Und völlig ungestört von der Polizei, und unbemerkt von den Tätern. Meine Kamera stand auf dem Stativ, als plötzlich ein Fahrzeug an den Bus gefahren wurde. Die Täter stiegen aus, sie öffneten den Kofferraum. Sie inspizierten das Auto. „ Mensch dachte ich, wenn ich Scharfschütze wäre, dann wäre jetzt alles vorbei. Aber ich war es nicht. Und das war auch nicht meine Aufgabe. Meine war es, Bilder zu machen. Und die hatte ich. Warum sollte ich mir Gedanken über die Arbeit der Polizei machen. Nein, warum auch. Das ist doch deren Problem. Dirk „flüsterte ich," ich laufe schnell zum Campingplatz, ich telefoniere mit dem Morgenmagazin vom WDR, schildere denen den aktuellen Stand. In einer Gartenlaube war der Telefonanschluß. Ich wählte die Nummer. Hastig erklärte ich was ich gesehen habe, wie nahe ich am Bus stand. Und erklärte, dass die Täter gleich mit einem 7er BMW weiterfahren werden. Zu meiner Überraschung klang die Redakteurin nicht gerade begeistert. Sie antwortete: Wir haben einen Redakteur vor Ort, der hat uns das noch nicht bestätigt, der wird sich schon gleich melden." Völlig überrascht legte ich auf. Ich war sauer. Normalerweise war das Morgenmagazin immer an dem Aktuellsten interessiert und nun das. Wütend rannte ich zurück zu unserem Standort neben dem Bus. Aber wo war mein Dirk, wo war die Kamera. Mein Herz klopfte. Die Täter werden doch nicht....Ich sah zum Bus.
Der Mercedes war weg. Eine Menschentraube stand daneben. Auch sah ich einen Polizeiwagen. Vorsichtig ging ich auf den Bus zu. Ich suchte Dirk. Die Geiseln waren frei, die Täter mit dem Mercedes fortgefahren. Aber wo war Dirk? Neben der Fahrertür des Busses stand die Kamera. Mutterseelenallein. Ich lief um den Bus rum. Plötzlich sah ich in einen VW -Bus der Polizei. Mit einem Kaffee in der Hand strahlte Dirk mich an. „ Die dachten ich wäre eine Geisel aus dem Bus und haben mich hier reingesetzt. Dann gab’s Kaffee, ich wollte denen sagen dass ich keine Geisel bin, aber die haben mich nicht verstanden, und ich die auch nicht, aber der Kaffee ist gut." Grinsend reichte er mir den Becher entgegen. „ Ein schluck ist noch drin, lecker" Ich nahm den Becher und lief zur Kamera. Dirk verließ das Polizeiauto. Ungehindert konnte ich in Seelenruhe Aufnahmen von dem Bus machen. Vom Abtransport der Geiseln. Irgendwie begriff ich das alles nicht. Ich wusste, das kann nicht richtig sein aber keiner kam, kein Polizist kümmerte sich um uns.
Es herrschte eine völlige Gleichgültigkeit. Schnell packte ich meine Klamotten zusammen, ich hatte alles gefilmt, ich hatte Bilder die kein anderer hatte. Meine Vermutung bei der Abfahrt in Essen hatte sich glatt bestätigt. Ungehindertes Arbeiten vor Ort. Eilig liefen wir zurück zum Auto. „ Nichts wie ab nach Dortmund zum Studio", rief ich.
An der Grenze in Gronau erfuhren wir das hier die Täter mit zwei Geiseln wieder zurück nach Deutschland gefahren waren. Ich nahm die Kamera und filmte den Grenzübergang. Ein Detail des Fluchtweges . Bilder für die Chronik des Tages. Aus einer Telefonzelle rief ich im Studio an, erzählte von meinen Aufnahmen. Für die Tagesschau um 12 Uhr war es jedoch schon zu spät, so schnell konnte ich nicht von Gronau nach Dortmund fahren. In der alten,, Schüssel,, erreichten wir die Autobahn. Im Radio erfuhren wir wieder über die Nachrichten das Neueste über den Fluchtweg. Irgendwo im bergischen Land sollen die Täter gesehen worden sein.
Angeblich waren sie nun endgültig aus den Augen der Journalisten verschwunden. Aber auch aus den Augen der Polizei. Na ja" sagte ich, „ dann brauchen wir uns ja nicht zu beeilen, verpassen, tun wir nichts." Gegen 1 Uhr erreichte ich das Studio in Dortmund. Insgesamt waren wir nun 15 Stunden unterwegs. Ich gab mein gedrehtes Material mit kurzer Inhaltsangabe ab. Ich wollte schon das Haus verlassen, als ich zurückgerufen wurde. „Herr Wiebold, die Täter waren in Wuppertal, können sie nicht schnell dort hinfahren. Dort sollen sie gefrühstückt und Zeitungen gekauft haben. Ein Redakteur fährt mit ihnen mit.
Begeistert war ich nicht, aber Auftrag ist Auftrag, und so ging es weiter. Total übermüdet kamen wir in die Fußgängerzone in Wuppertal-Elberfeld. Ich filmte die Anlaufstationen der Gangster. Interviews mit Zeugen wurden gemacht. Danach ein Anruf in der Redaktion. „ Wir haben alles im „ Kasten", wir kommen zurück." „Gott sei Dank" dachte ich," endlich Feierabend" Aber denkste. „ Ihr müsst nach Köln, die Täter stehen mitten in der Stadt, schafft ihr das?" ; kam es durch den Telefonhörer. In diesem Moment fühlte ich mich genervt, ein Blick auf die Uhr sagte mir: „Wolfgang sag nein, "Ich lehnte ab. Ich wollte nur noch nach hause. Irgendwie machte mir die Sache keinen „Spaß" mehr. Das war alles zu einfach, ich sah mich schon in Gedanken zwischen zwanzig anderen Kameraleuten. Da war kein Reiz mehr. irgendwie müssen exklusive Bilder unter schwierigeren Umständen zustande kommen.
Ich bin nicht der Typ der sich in eine Reihe mit anderen stellt und draufhalte. Nein, das wäre nicht mein Ding. Und so fuhren wir nach Dortmund zurück. Gegen 17 Uhr war ich auf dem Weg nach Hause. Für mich war das Thema Geiselnahme beendet. Jetzt hatte ich nur noch einen Gedanken. „ Guck Dir die weitere Fluchtentwicklung im Fernseher an.,,Und siehe da, ich wurde voll bestätigt. Umringt von Journalisten und Kameramännern das Fluchtauto mitten in der Stadt. Und wieder weit und breit keine Polizei. Ich war fassungslos, und gleichzeitig erleichtert, nicht dabeizustehen. Ich wusste, dass das was da Geschieht falsch war, aber keiner unternahm etwas. Warum bloß nicht?. Warum war die Polizei nur Zaungast und die Journalisten die Akteure? Begriffen habe ich es bis heute nicht. Schon ich hätte in Holland die Geiselnahme beenden können, hätte ich eine Waffe gehabt. Oder wäre die Polizei an meiner Stelle gewesen. Aber so war es nicht. Und wie es endete wissen wir jetzt alle. Aber ich denke mir, die werden ihre Gründe gehabt haben. Über die anschließenden Diskussionen kann ich heute nur lachen. Für mich hatte die Polizei versagt. Den Freiraum hatten sich nicht die Journalisten erkämpft, sondern die Polizei hatte sie gewähren lassen. Aus welchen Gründen auch immer…